Starbucks

Recherchearbeit Starbuck – Wie bin ich vor dem Kauf vorgegangen

In den letzten beiden Teilen, habe ich zum eine beschrieben, wieso du auf die Empfehlungen anderer hören solltest und worauf du achten musst. Zum anderen habe ich euch auch meine favorisierten Quellen aufgezeigt in den unterschiedlichen Kategorien wie Finanzbasics, aktuelles Marktgeschehen, Aktienanalysen, Optionshandel, Charts / Fundamentaldaten und Inspirationen.

In diesem Artikel möchte ich euch nun mitnehmen auf eine kleine Erkundungsreise der Recherche- und Entscheidungsarbeit vor dem Kauf der Starbucks-Aktie (SBUX). Denn seit Anfang August bin ich mit 35 Anteile an der Kaffeehauskette beteiligt.

Begleitet mich doch auf den Weg und bekommt folgende Fragen geklärt: Welche Quellen habe ich bemüht? Wieso habe ich Starbucks schlussendlich dann auch gekauft? Welche Vor- und Nachteile besitzt das Papier?

November 2016: Erste eigene Analyse von Starbucks

Ende letzten Jahres, November 2016, habe ich meine allerersten Aktienanalysen selbst erstellt. Bis dahin war ich nur mithilfe einer klassischen Auswahl an ETFs, bestehend aus MSCI World und MSCI Emerging Markets, an den globalen Märkten beteiligt. Da mir dies zu langweilig wurde, wollte ich zusätzlich noch in einzelne Aktien investieren. Ich habe zu dem Zeitpunkt erkannt an mir, dass dieses ganze Börsenthema für mich etwas mehr ist. Dass es mir sogar Spaß macht und ich es eine Stufe intensiver betreiben möchte. Heute sehe ich es schon fast als ein kleines und meist lukratives Hobby an!

Brands und Home Bias

Die Starbucks-Analyse war die 5. Aktienanalyse, die ich je gemacht habe.

Davor waren natürlich so große Namen wie Microsoft, Walt Disney und Nestle erstmal dran. Alles bekannte Marken und für mich als damaliger Otto-Normalbürger irgendwie die gängigsten Aktien, die ich mir gerne näher ansehen wollte.

Regelmäßig kamen mir diese Firmen unter meine Fingern im realen Leben. Ob dass die bekannten Microsoft-Produkte auf dem PC sind, die exzellenten Disney-Filme aus der Kindheit oder die zahlreichen Produkte aus dem Nahrungsmittelbereich von Nestle.

Auch der im MDAX gelistete Stapler-Produzent Jungheinrich war auf der Top-5-Liste. Wieso? Ich wohne in der Nähe eines der Jungheinrich-Werke und kenne auch den einen oder anderen Mitarbeiter von dort. Home Bias (auf deutsch: Heimarktneigung – überproportionale Gewichtung des Heimatmarktes) extrem sozusagen.

Und dann war da auch noch Starbucks.

Weder kannte ich einen Mitarbeiter von dem Kaffeehaus, noch gab es bei mir in der näheren Region einen solchen Laden. Ich war auch noch nie in einem Starbucks drin. Und Kaffee trinke ich auch keinen. Woher sollte ich ein solchen Unternehmen überhaupt kennen, dass sich auf das von mir nicht geschätzte, koffeinhaltige Heißgetränk spezialisiert hat?

die Firma, ihr Logo und ihr Geschäftsmodell bereits, bevor ich die Aktie davon analysiert habe. Aufgrund meiner täglichen Pendlerei nach München, sehe ich oft genug Leute am Bahnsteig, die an ihren hippen Starbucks-Frappuccinos nuckeln, der auch noch mit ihrem Namen beschriftet ist. Obwohl ich noch nie in einem Starbucks-Laden war und auch noch nie ein Produkt davon konsumiert habe, hat sich bei mir unterbewusst die Starbucks-Brand in mein Gehirn gebrannt.

Nicht ohne Grund gehört deshalb die Marke Starbucks  zu den 25 wertvollsten Marken der Welt.

Deshalb mein erster Tipp: Mach deine Augen auf und beobachte, welche Firmen dir in deinem täglichen Alltag begegnen.

Durchackern des Geschäftsberichts

Nachdem klar war, dass ich mir Starbucks gerne näher anschauen möchte, habe ich mir damals den letzten Geschäftsbericht von der Investors Relations Website geholt und habe diesen durchgeackert.
Ich schreibe mir meistens die für mich wichtigen Fakten heraus und speichere sie in ein OneNote-Notizbuch. Damals habe ich die einzelnen Punkte noch nicht bewertet. Heute markiere ich sie zusätzlich grün oder rot, je nachdem, ob das jeweilige positiv oder negativ anzusehen ist.

Das Ganze sieht dann ungefähr so aus:

Notizen Starbucks Analyse

Ende letzten Jahres habe ich aber die Idee Starbucks wieder verworfen. Der Firmengründer und damaliger CEO ist wenige Monate später von seinem Posten zurückgetreten und die Stimmung zu Starbucks war eher getrübt darüber.  Zudem habe ich meinen Fokus auf andere Werte gelegt, weshalb die Aktie  wieder etwas in Vergessenheit geraten ist.

Juli 2017: Aktien mit Kopf Podcast

Anfang Juli hört ich mir die sehr ausführliche Aktienanalyse zu Starbucks von Jonathan Neuscheler und Kolja Barghoorn im „Aktien mit Kopf“ – Podcast an. Beide erläuterten ihre bisherigen Erfahrungen mit den Starbucks-Läden, insbesondere von ihrer Amerika-Reise. Denn gerade in den USA hat Starbucks mit großen Abstand die meisten Stores und dies so gut wie an jeder Ecke.
Des Weiteren nahmen die beiden auch die Fundamentaldaten auseinander und betrachteten die Zukunftsaussichten von der Kaffeekette.

Die Highlights aus dem Podcast – für die Faulen unter euch – hat Stefan von Stefansboersenblog.com sehr gut zusammengefasst. Auch der fundamentalen Bewertung von ihm kann ich zu 100% zustimmen. Gerne würde ich mir wünschen, dass er deutlich mehr Firmen noch analysiert. Vielleicht liest er es ja…

Zudem habe ich noch einige der zahlreichen Analysen und Kommentare auf Seeking Alpha durchgelesen. Bei Seeking Alpha gibt es sehr ausführliche und wertvolle Unternehmensbewertungen. Zum Teil überschlägt einem aber auch die pure Masse. Deswegen empfehle ich hierbei, lest ruhig ein paar positiv und negativ gestimmte Analysen durch. Aber bildet euch immer eure eigene Meinung! Dies gilt natürlich auch für alle anderen Analysen – meine hier inbegriffen.

August 2017: Meine eigene Bewertung

Ich persönlich schaue mir immer zuerst den Verschuldungsgrad bzw. Eigenkapitalquote an und die Umsatzentwicklung. Auch die Dividendenentwicklung ist für mich als Dividendeninvestor von Bedeutung.

Danach will ich das Geschäftsmodell verstehen. Wenn ich nicht verstehe, womit der Laden sein Geld verdient, lasse ich lieber die Finger davon. Auch stelle ich mir die Frage, wie die Zukunftsaussichten aussehen könnten und welche Risiken das Unternehmen hat bzw. in Zukunft noch bekommen könnte.

Geschäftsmodell, Zukunftsaussichten und Risiken

Geschäftsmodell ist klar: Starbucks verkauft hauptsächlich Kaffee in eigenen Läden. Manchen würden auch sagen: Ein bestimmtes Lebensgefühl. Dies halte ich persönlich als etwas zu viel Emotionsmarketing. Daher bleiben wir beim Kaffeeverkauf.

Die Zukunft ist für mich auch ganz klar. Weitere Expansion in neue Märkte, wie beispielsweise China. Auch hier bei uns in Deutschland wäre noch deutlich Luft nach oben.

Zudem entwickelt Starbucks immer mehr neue Konzepte ihre Produkte auch außerhalb der Stores an die Leute zu bringen. Erst letztens habe ich an einer Shell-Tankstelle eine Werbetafel gesehen, dass man nun auch in der Tankstelle Starbucks-Kaffee sich holen kann. Auch im Kühlregal von verschiedenen Supermärkten trifft man die Produkte an oder als Nespresso Kapsel für die Kaffemaschine zuhause. Original McDonalds-Burger habe ich hingegen noch nie außerhalb der Restaurants gesehen…

Wenn ich mir mein Umfeld so anschaue, bin ich als Kaffee-Verweigerer eine absolute Seltenheit! Weshalb ich mir daher sehr, sehr sicher bin, dass an dem Produkte Kaffee nichts zu rütteln ist. Und auch wenn es etwas zynisch klingt – das süchtig machende Koffein wird diesen Trend auch so fortsetzen. Für Leute wie mich – bei Starbucks gibt’s auch Tee.

Auch der sehr hohe Preis in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird immer wieder als Risiko von Starbucks tituliert. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass bei schlechten Jahren, das Geld auch für Starbucks-Kaffee nicht mehr so locker sitzen wird. Dennoch glaube ich, dass die Marke bereits so stark ist, dass die Leute den Aufpreis zahlen werden. So wie sie das auch zum Beispiel für Apple Produkte machen.

Argumente ala schlechte Qualität und schmutzige Läden lasse ich nicht gelten. Sicherlich gibt es auch noch besseren Kaffee an verschiedenen Standorten. Aber niemand hat eine solche Größe oder diesen riesigen Bekanntheitsgrad wie Starbucks im Kaffeemarkt. Selbst der große Konkurrent McDonalds mit seinen McCafes kann bisher nicht am Erfolg rütteln. Die Zahlen sind sauber und subjektive Ansichten einzelner Kunden sind mir daher ziemlich egal. Geschmäcker sind eben unterschiedlich. Und beim Thema Essen & Trinken werden wir zu Recht auch gerne mal sehr emotional.

Der Kauf

Am 03.08.2017 habe ich dann 35 Anteile zu einem Preis von 55,89 $ je Aktie gekauft. Somit habe ich die letzte Talfahrt ausgenutzt und bin nahe dem 52-Wochen-Tief eingestiegen.

4 thoughts to “Recherchearbeit Starbuck – Wie bin ich vor dem Kauf vorgegangen”

    1. Hi Djerun,

      ich habe die Aktien in Dollar gekauft. Eine Renditeabsicht steht nicht dahin.
      Dies hat folgende Gründe:
      – Mein Dividendendepot ist langfristig ausgelegt, d.h. Währungsspekulationen und -schwankungen werden von mir einfach ignoriert. Das Unternehmen muss passen und langfristig wachsen. Ob in 10 Jahren der Dollar stärker oder schwächer ist als der Euro kann ich nicht sagen. Die Bewertungen der Aktien nehme ich aber immer mithilfe der Daten von der Heimatbörse vor, da diese eben keine Währungseffekte aufzeigen.
      – Die Ordergebühren bzgl. inländischer oder ausländischer Börsen sind bei meinem Broker BANX zu vernachlässigen.
      – Da ich evtl. in Zukunft noch nachkaufen werde, wirds ab 100 Stück interessant für das Schreiben von Covered Calls. Hierbei bietet es sich einfach an die Aktien in Dollar vorzuhalten.

      Ich gestehe mir aber ein, dass ich bzgl. Währungseffekte nicht 100% informiert bin und daher auch nicht zu 100% richtig antworten kann: Wenn man sich den Euro / Dollar – Wechselkurs anschaut, sieht man durchaus, dass wir in den letzten 2 Jahren nun neue Hochs haben. D.h. ich schließe mich der derzeitigen Meinung an – ein Investment in Euro kann Sinn machen, wenn wir jetzt bereits nahe den Hochpunkten sind.

      Schaut man aber etwas weiter zurück, hat der Euro durchaus noch weit Luft nach oben. Geht es wirklich weiter nach oben für den Euro, dann ist der Kauf in Euro schon wieder nicht mehr so rentabel.

      Meine persönliche Meinung zu dem Thema: Für die langfristigen Investments eher egal. Bei den Dividendentiteln sowieso, da ich vorerst nicht vor habe diese wieder zu verkaufen. Ich kaufe lieber noch den einen oder anderen europäischen Titel, um auch das Währungsrisiko zu streuen. Beim Optionshandel handle ich eh fast nur in den USA. Daher ist hier der Dollar von Nöten.

      Ich habe mir diese Frage mal auf die Liste gepackt, damit ich diese irgendwann mal in Form eines Artikels umfassender darstelle. Ich hoffe dir reichen die Zeilen oben für eine erste Einschätzung.

      Gruß,
      Emanuel

  1. Hallo Emanuel,
    Ich habe Starbucks auch schon eine Weile auf der Watchlist. Ich denke auch, dass es ein gutes Investment ist.

    Aktuell stehen andere Unternehmen aber noch weiter oben auf meiner Liste, weshalb ich (noch) nicht gekauft habe.

    Schöne Grüße
    Tobias

    1. Hi Tobias,

      welche wären dies? Ich bin auch immer interessiert an guten Investmentmöglichkeiten, insbesondere zur Zeit, wo man nach günstigen Gelegenheiten suchen muss.

      Gruß,
      Emanuel

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