Bildung 2.0 - MooCs

Bildung 2.0 – Werden MooCs unsere Bildungslandschaft rudimentär verändern?

Das sogenannte Humankapital ist in aller Munde heutzutage. Wie kannst du die Rendite deiner geistigen Ausgüsse immer weiter steigern? In welche Wissensinhalte sollst du investieren? Eher in fachliches Faktenwissen? Oder in die sagenumwobenen Soft Skills? Zählen auch praktische Fertigkeiten, wie handwerkliches Können oder Programmieren dazu?

Investiere in dich selbst! Baue mithilfe von Aus- und Weiterbildung immer mehr Humankapital auf! In meinen Augen kann man nie genug lernen und wissen. Es keine sinnvollere Investition, als seine eigene, persönliche Geisteskraft zu verbessern. Wir leben hier in einer Wissensgesellschaft. Je mehr du weißt und kannst, desto mehr potentiellen Wert kannst du der Gesellschaft leisten. Und Mehrwert wird auch entsprechend entlohnt. Das heißt, es ist auch wichtig sinnvolle Wissenserweiterungen zu tätigen, die nachgefragt werden von der Gesellschaft.

Natürlich solltest du nicht nur finanziell nutzbringende Wissenserwerbung durchführen. Ein gesunder Intellekt schadet nie!

Definition

Neben klassischen Bildungsmittel und –anstalten erleben Massive Open Online Courses eine Revolution. MooCs sind im Internet stattfindende, meist multimedial unterstützte, Online-Kurse. Zumeist sind sie auf einem universitären Niveau ausgerichtet. Online-Communities in Form von Foren sind ebenfalls oft angeschlossen um den Austausch mit anderen Lernenden zu fördern.

 

Meine eigenen Erfahrungen

Ich selber habe schon an mehreren deutschsprachigen, aber auch englischsprachigen, MooCs teilgenommen. Darunter verschiedene Programmierkurse, BWL und Rechnungswesen.

Zuletzt habe ich zu den Themen Industrie 4.0 und Maschinelles Lernen mich weitergebildet. Beide geben einen Einblick in die jeweiligen Zukunftsthemen. Interessant fand ich hierbei das Aufzeigen von praktischen Anwendungen in der Realität. Hier erfährst du was verschiedene Firmen, auch Aktiengesellschaften (!), alles in den jeweiligen Trend-Gebieten im Petto haben. Vielleicht verstehst du dann auch das eine oder andere Produkt / Geschäftsmodell von deinen favorisierenden Aktien besser. Bei mir war es im MooC zum „Maschinellen Lernen“ so, dass ich deutlich besser verstand was zum Beispiel eine NVIDIA oder eine SAP hier treiben und womit sie in Zukunft Geld verdienen möchten.

 

MooC-Plattformen – welche es gibt und was sie auszeichnet

Khan Academy

Khan Academy

Wenn ich an die ersten MooCs denke, muss ich persönlich immer an die Khan Academy denken. Bereits 2004 startete Salaman Khan mit den weltweit bekannten Mathematik-Nachhilfekursen. Heute gibt es über 4000 Videos, welche neben Schulmathematik auch die anderen Naturwissenschaften abdecken. Ebenso findest du dort auch Lernmaterial zu Informatik, Kunst, Geschichte, Wirtschaft und Finanzen.

Die Khan Academy ist eine Non-Profit-Organisation und wird deswegen alleine mithilfe von Spenden finanziert.

Die Mathe-Videos sind schon größtenteils auch auf Deutsch verfügbar. Bei den restlichen Inhalten müsst ihr auf die Originalvideos auf Englisch zurückgreifen.

Ich sehe persönlich die Zielgruppe für die Khan Academy hauptsächlich bei Schülern.  Oder bei Leuten, die ihr verstaubtes Schulwissen wieder auf Vordermann bringen möchten. Die Inhalte orientieren sich daher stark auf Schulfächer.

Coursera

Coursera

Coursera ist eine der größten MooC-Plattformen und fungiert als Privatunternehmen. Sie haben sich darauf spezialisiert, zusammen mit verschiedensten Universitäten und Instituten auf der ganzen Welt, eine gemeinsame Bildungsplattform zu schaffen. Coursera stellt die Plattform bereit und die jeweiligen Institutionen veröffentlichen die Inhalte. Hierunter befinden sich mit Stanford, Yale und Princeton sehr namhafte Universitäten. Ebenso nehmen sehr viele europäische und asiatische Bildungseinrichtungen teil, weshalb viele Kurse in den verschiedensten Sprachen angeboten werden können.

Die Themenfelder sind breit gestreut. Ob es Naturwissenschaften, Geschichte, Psychologie oder Sprachen sind. Ich bin mir sicher, hier findet sich wirklich jeder etwas unter den über 2000 angebotenen MooCs.

Die Teilnahme an den Kursen ist kostenlos. Verdienen tut Coursera vor allem an ausgestellten Zertifikaten, die die erfolgreiche Teilnahme an den Kurs bescheinigen. Zudem werden manche Zusatzinhalte oder –mittel wie Quizze erst gegen Gebühr freigeschaltet. Losgeht es ab 49$.

Kritisch wird gesehen, dass Coursera auch Daten der Teilnehmer verkauft an die HR-Abteilungen von Unternehmen, damit diese insbesondere herausragende Teilnehmer anwerben können als Mitarbeiter.

edX

edX ist das gemeinnützige Pendant zu Coursera. Der Fokus liegt hier ebenso hauptsächlich auf die Zusammenarbeit mit Universitäten. Hier findet sich die restliche Crème de la Crème der Top-Unis. Harvard und MIT haben edX ins Leben gerufen und sind auch Hauptbetreiber der Plattform. Zusätzlich sind auch ein paar NGOs (z.B. Amnesty International) beteiligt. Zum Beispiel hat auch der IWF (Internationaler Währungsfond) einige finanzwissenschaftliche Kurse im Angebot.

edX ist im Unterschied zu Coursera als Non-Profit-Organisation eingestuft. Finanziert wird das Ganze aber auch durch die Ausstellung von Zertifikaten. Dieses schlägt mit 49$ zu Buche.

Die Themenfelder sind bunt gemischt. In einem Katalog mit über 1000 Kurse können Interessierte wählen.

Udacity

Udacity

Sebastian Thrun, einer der wenigen bekannten deutschen Köpfe im Silicon Valley, hat 2012 Udacity ins Leben berufen. Er war zuvor Professor für Künstliche Intelligenz an der Stanford University. Zusätzlich forschte er am selbstfahrenden Auto bei Google.

Das Privatunternehmen Udacity bewegt sich fast ausschließlich im IT-Bereich. Programmierkurse, Robotik, Machine Learning und digitales Marketing sind daher die Stichwörter auf Udacity.

Die MooC-Plattform arbeitet nur mit Unternehmen zusammen. Firmen wie Google, Amazon, Facebook, IBM, NVIDIA, AT&T, Uber und viele mehr sind an den jeweiligen Kursen beteiligt und liefern Inhalte. Interessant fand ich, dass auffällig viele deutsche Firmen, wie Bosch, BMW, SAP, Daimler und Zalando, mitmachen.

Neben einigen kostenlosen Kursen, bewirbt man auf Udacity vor allem die sogenannten Nanodegree-Programme. Diese bestehen aus mehreren Einzelkursen und -projekten und sollen dich für vollständige Karrieren ausbilden. Es wird ein persönlicher Tutor bereitgestellt und Udacity bereitet einen auf die praktische Umsetzung des Wissens im Job vor. Zudem soll man dich sogar unterstützen bei der Suche nach dem richtigen Job, indem man auf das große Partnernetzwerk zurückgreift. Die Nanodegree-Kurse kosten 200€ pro Monat.

Nutzen von MooCs

Nachdem wir zuvor die bekanntesten MooC-Plattformen kurz umrissen haben, möchte ich nun mit dir herausarbeiten, welchen Nutzen ein MooC für dich hat.  Denn es ist schön und gut, dass es so etwas gibt. Aber was bringt’s? Wieso soll ich so etwas machen?

Am Anfang ist wichtig zu, wie dein Ziel aussieht. Willst du nur in neue oder fremde Themen hineinschnuppern? Die ersten Begriffe gehört haben, um etwas mitreden zu können? Oder möchtest du dich intensiv in ein bestimmtes Feld mithilfe von MooCs einarbeiten? Vielleicht geht es dir auch nur darum, dass du ein Zertifikat abstaubst? Möchtest du zusätzliche Fähigkeiten entwickeln, um beim nächsten Mitarbeitergespräch, mehr Gehalt fordern zu können?

Meine Intention einen Massive Open Online Course durchzuackern war bisher: Ein neues Thema oder einen unbekannten Trend kennen zulernen. Erste Impulse zu erlangen und die Grundlagen verstanden zu haben. Ich habe hauptsächlich nur die Videos konsumiert und manchmal das Quiz ausgefüllt. Mehr Ergebnis kann ich daher nicht erwarten.

Denn ohne Fleiß kein Preis! Auch ein Online-Kurs mit allem Schnick-Schnack nimmt dir nicht den Prozess des Lernens und Übens ab! Wenn du wirklich intensiv etwas erlernen möchtest, musst du entsprechend viel Zeit reinstecken. Nur bisschen Videos passiv konsumieren wird nicht funktionieren! Im Endeffekt ist dies aber auch nicht anders wie bei einem „normalen“ Studium oder Lehrgang. Zwei Stunden Vorlesungen nehmen dir leider auch nicht das Büffeln für die Klausur ab.

Wenn du nicht nur theoretisches Wissen aufbauen möchtest, sondern wirklich neue Fähigkeiten, dann wird es nochmal langwieriger. Denn zum Beispiel Sprachen (auch Programmiersprachen) oder handwerkliches Geschick lernst du nur durch Anwendung. Indem du ständig etwas wiederholst. Dies immer wieder und wieder von neuem machst, wirst du immer besser, schneller und spontaner. Auch ein MooC ist hierbei kein Wundermittel! Er unterstützt dich. Er bereitet dich vor. Den Rest musst du selber meistern. Mist…

In meinen Augen gibt es auf den verschiedensten Plattformen entsprechend qualitativ hochwertige Produktionen, welche locker mit einer lokalen Vorlesung an der Uni mithalten können.

Ansehen bei den Arbeitgebern

Eine Weiterbildung um persönliches Interesse zu stillen ist ja schön und gut. Aber du willst ja auch deinen Lebenslauf etwas aufhübschen, oder?!

Wie relevant ist so ein Abschluss eines MooCs auf dem Arbeitsmarkt?

Schaffe Mehrwert für deinen Arbeitgeber! Es ist super, dass du nebenbei noch ein philosophisches Studium mit Bestnoten abgeschlossen hast. Aber erwarte bitte nicht, dass dein Meister im Handwerksbetrieb dadurch nun mehr Scheine locker für deine geisteswissenschaftlichen Fähigkeiten macht. Welchen Sinn hat das für deinen Arbeitgeber? Kannst du deine Arbeit schneller machen? Oder kannst du andere wichtigere Dinge übernehmen? Wie unterstützt du ihn, dass er seine ökonomischen Ziele erreichen kann? Dies musst du herausarbeiten, in die Praxis umsetzen und überzeugend deinem Chef im nächsten Mitarbeitergespräch verkaufen.

Zurzeit haben MooCs ein Henne / Ei – Problem. Solange nicht deutlich mehr Bewerber Zertifikate aus MooCs in ihre Bewerbungen legen, desto weniger Bekanntheit und Ansehen schaffen diese bei den Arbeitgebern. Desto geringer die Akzeptanz bei den Chefs, desto weniger nutzen die Leute MooCs um sich weiterzubilden. Und in dieser Situation befinden wir uns eben.

Das Zertifikat eines MooCs zählt in meinen Augen so gut wie nichts und ersetzt keine offizielle betriebliche Ausbildung oder einen staatlich akkreditierten Studiengang. Es mag sicherlich den oder anderen Personaler geben, der diesen zusätzlichen Wissensdurst schätzt. Die Regel wird dies aber sicherlich nicht sein, da der Bekanntheitsgrad zu gering ist.

Interessant finde ich daher vor allem das Konzept von Udacity, das dich speziell für Karrieren in den Top-Unternehmen vorbereitet und insbesondere mit diesen auch zusammenarbeitet! Eventuell kann man dadurch die ein oder andere Stelle bei einem Unternehmen ergattern, dass eher eine praktische Ausbildung schätzt gegenüber ein theoretisches, wissenschaftliches Studium. In Deutschland ist so etwas weniger gefordert, aufgrund unseres guten dualen Ausbildungssystems. In Amerika oder vielen anderen Länder sieht das aber komplett anders aus.

Extrinsische vs. intrinsische Motivation

Zu viele Leute motivieren sich nur extrinsisch, also von außen: „Ich verschwende doch nicht meine Zeit, wenn es mir nichts bringt!“ Und das ist wahrscheinlich das Problem, dass uns auch hier wieder die amerikanischen Kollegen davon laufen.

Ich bin hier anders gepolt. Ich will ständig was Neues lernen und ausprobieren. Ohne, dass es mir unmittelbar etwas nützt! Und um diesen Wissensdrang zu stillen eignen sich MooCs hervorragend. Die Hürden sind nämlich extrem niedrig, sich in die verschiedensten Gebiete neues Wissen anzueignen.

MooCs …

  • Sind meistens komplett kostenlos
  • Können von überall und zu jeder Zeit bearbeitet werden
  • Bewegen sich zum Teil auf wissenschaftlichen Niveau und werden von den renommiertesten Professoren der Welt erstellt

Fazit

Probiert es doch einfach aus! Klickt euch mal durch den Katalog der verschiedenen Plattformen und belegt einen Kurs, der eurem Interesse entspricht. Ich werde auch weiterhin immer mal wieder einen MooC bearbeiten und immer weiter und weiter meinen Horizont dadurch steigern!

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