5 Learnings aus dem Börsenjahr 2018

Das Börsenjahr 2018 ist nun vorbei. Starkes Momentum im Januar, welches im Nu im Februar mit hoher Volatilität beendet wurde. Im Sommer dann ging es, ähnlich 2017, strikt nach oben. Damit war dann im Oktober und November wieder Schluss und im Dezember zogen stürmische, dunkle Wintertage an die Börse.

So lässt sich in meinen Augen grob das Jahr an den wichtigen amerikanischen Börsen zusammen. Der DAX war hingegen das ganze Jahr wohlschmeckender Bärenschmaus.

Meine persönliches Handelsergebnis für 2018 muss ich leider auch mit einem dicken Minus abschließen. Insbesondere die Schwankungen im Februar und März haben meine Performance deutlich nach unten gerissen, woraufhin ich meine Strategie entsprechend angepasst habe. Die Abwärtsbewegungen zum Ende des Jahres hin, konnte ich somit deutlich besser abfedern.

Aber nun genug gejammert. 2018 ist vorbei und es steht wieder alles auf null. Das vergangene Jahr war für mich in vielen Punkten sehr lehrreich und ich hatte genügend Gelegenheiten verschiedene Situationen an den Märkten am eigenen Leib zu erfahren. Meine 5 größten Learnings daraus möchte ich euch nun vorstellen. Vielleicht findet ihr für euer eigenes Handeln Anregung anhand meiner Aufstellung. Gerne könnt ihr mit einem Kommentar unter diesen Beitrag meine Liste ergänzen.

# 1 Handle nur das was du magst und willst

Die Korrektur im Februar 2018 hat mir gezeigt, wie wichtig es für mich im Optionshandel und auch bei den langfristigen Investments ist, dass ich nur Unternehmen handle, die mir hinsichtlich des Geschäftsmodells und der Fundamentaldaten gefallen. Nur dann kann ich auch bei gesamtmarktkritischen Situationen emotional ruhig bleiben, da ich eine persönliche Bindung mit der Aktie habe und weiß, dass sich mit dem Fallen des Kurses nicht unbedingt auch das Unternehmen selbst verschlechtert hat.

Im Januar hatte ich stark auf Momentum gesetzt bei meiner Underlying-Auswahl. Ich habe irgendwelche Werte gehandelt, die halt gut liefen, wo der Chart nach oben zeigte. Im Endeffekt hatte ich darunter viel Mist oder für meine Verhältnisse viel zu volatile Werte. Im Februar und März kam dann die Abrechnung.

Bei Schwankungen kann ich deutlich besser schlafen mit einem meiner Lieblingsunternehmen, als mit Unternehmen, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. Und dieses Gefühl hat für mich insbesondere im vergangenen Börsenjahr deutlich mehr an Bedeutung gewonnen, also noch im Alles-ist-gut-Jahr 2017.

Heute habe ich eine sehr stark reduzierte Watchlist, die nach wenigen, mir sehr wichtigen, Fundamental- und Bewertungsdaten sortiert und quantifiziert sind. Eine einzige Zahl spiegelt wider, ob die Aktie ein potenzieller Investment-Case und somit auch als Underlying im Optionshandel geeignet ist.

# 2 Wenige Trades können das Ergebnis vieler zerstören

Auch eine der großen Erkenntnisse während der Februar Korrektur: Einige wenige große negative Trades (gesamtes Monatsergebnis Februar und im März insbesondere Facebook und AbbVie) haben mir die gesamte Jahresperformance schon am Anfang des Jahres versaut. Man kann jetzt über Fehler oder ähnliches diskutieren. Fakt für mich persönlich ist, dass die Verluste im Stillhaltergeschäft mit Short Puts unbegrenzt sein können und die Gewinne stark begrenzt.

Trotz alledem, dass prozentual die Anzahl meiner Gewinnertrades 2018 deutlich größer war, musste ich das Jahr mit einem kleinen vierstelligen Verlust abschließen.

Das Fazit, dass ich hieraus ziehe ist, dass ich meine Verlusttrades deutlich begrenzen muss. Ich versuche dies mit einer besseren Auswahl des Underlyings und besseren Einstiegszeitpunkten (basierend auf technischer Analyse). Und ich möchte mir vornehmen, dass ich mein Handeln so ausrichte, dass ich unruhige Zeiten besser aussitzen kann (weniger Marginauslastung, Kontrakte einbuchen lassen, Trades bis zum Schluss laufen lassen, Zurückhaltung beim Aufsetzen neuer Trades…).

Ob mir dies gelingt werden wir sehen. Die Korrektur zum Jahresende überstand ich jedenfalls deutlich besser und gefühlsmäßig bei Weitem ruhiger.

# 3 Technische Analyse doch nicht so blöd

Mithilfe der technischen Analyse ist es meiner Meinung nach nicht möglich ein Unternehmen vollumfänglich nach dessen Qualität zu bewerten. Hierbei hat für mich die Bewertung von Fundamentaldaten und des Geschäftsmodells eindeutig Vorrang.

Hingegen für die Wahl des richtigen Einstiegzeitpunkts kann man die technische Analyse durchaus miteinbeziehen. Dies möchte ich bevorzugt bei meine langfristigen Dividendeninvestments mehr beherzigen, um bessere Einstiege erzielen zu können.

In meinen Augen geht es an dieser Stelle nicht um die Nutzung möglichst exotischer Indikatoren und Chartformationen. Trends in Monats-, Wochen- und Tagescharts, Widerstände und Unterstützungen reichen oftmals schon aus. Aufbessern kann man dies vielleicht noch mit ein paar gleitenden Durchschnitten.

# 4 Geduld ist Gold wert

An der eigenen Geduld kann man in meinen Augen immer arbeiten. Ich tue mich auch weiterhin noch schwer, mal einfach nicht zu agieren am Markt. Das Warten auf das richtige Setup – schwierig. Temporäre Verluste aussitzen.

Ich denke, dass die Zeit sehr viele (nicht alle!) Wunden in unserem Börsenhandel glätten kann. Dies ist sicherlich auch einer der größten Vorteile gegenüber den institutionellen Händlern, die fixe kurzfristige Ziele erreichen müssen. Im Optionshandel heißt das für mich, dass ich mir keine klaren Verlustgrenzen (siehe 200% Regel von Jens Rabe o.ä.) mehr ziehe. Ich hatte bei den letzten Trades es doch häufiger, dass kurz vor Auslauf die zuvor noch als Verlierer geltende Option gedreht hatte und als Gewinner abschloss. Den Zeitwert bekomme ich hierbei ja auf alle Fälle!

Hierfür muss mir persönlich klar sein, dass ich eventuell auch die Aktie eingebucht bekommen werden und ich sie für eine kurze oder auch lange Zeit halten muss. Deswegen sind auch Learning #1 und #3 so wichtig, damit man mit diesem Umstand auch leben kann.

# 5 Kursgewinne und Optionseinnahmen sind nicht planbar

Wenn ich auf meine Ziele für den Optionshandel im Jahre 2018 zurückblicke kann ich heute nur noch mit dem Kopf wackeln. Einen monatlichen Cashflow von 400€ (bestenfalls auch noch 800€) wollte ich hauptsächlich mit dem Optionshandel 2018 erzielen. Im Februar musste ich bereits dieses Ziel wieder streichen bzw. als unerreichbar deklarieren. Im Nachgang war ich völlig verblendet von dem optimalen Verlauf in meinem Optionshandel-Startjahr 2017.

Ich bin nach dieser Erfahrung sicher, dass man solche fixen Zahlen für einen solch kleinen Zeitpunkt einfach nicht planen kann. Es kann besser (siehe 2017) oder auch mal schlechter laufen (siehe 2018). Gleiches gilt für mich auch für Kursgewinne oder Vergleiche mit irgendwelchen Indizes. Wenn ich auf ein fixes quantitativ messbares Einkommen wert lege, dann muss ich mir andere Einkommensquellen suchen als Kursgewinne und Optionseinnahmen.

Dies ist auch der Grund, wieso ich mich 2019 wieder stärker auf Dividenden fokussieren möchte und dort auch meine Ziele gesetzt habe. Hier ist es relativ einfach vorherzusagen, wie viel Cashflow man in einem Jahr generieren kann. Dieser Cashflow ist auch so gut wie unabhängig von den täglichen Börsenschwankungen (mal abgesehen von wenigen Dividendenkürzungen in Extremsituationen).

Fazit

2018 war extremst lehrreich für mich und ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen. Nach 2017 bin ich doch etwas abgehoben und habe schon die riesigen Renditen und die schon bald anstehende finanzielle Freiheit halluziniert. Das vergangene Jahr hat mich in dieser Hinsicht wieder auf den Boden zurückgeholt. Nichtsdestotrotz geht das dauerhafte Lernen und Reflektieren auch im Jahr 2019 weiter. Ich wünsche euch an dieser Stelle schonmal viel Erfolg!

3 thoughts to “5 Learnings aus dem Börsenjahr 2018”

  1. Du hast dir da ein tolles Dividendenaktiendepot zusammengestellt. Ich habe nicht einen Wert gefunden, an dem ich etwas auszusetzen hätte. Toll!

    Ich hab sogar für mich einen neuen Wert entdeckt, den ich bisher noch nicht kannte: Iron Mountain (IRM) … den nehm ich mal auf meine Watchlist. Danke dafür.

    Aber dein Optionshandel hinkt da noch gewaltig hinterher, oder? Kennst du mein Optionshandel ABC auf meinem Blog? Denke da könntest du einiges für dich rausnehmen, um etwas Ruhe in deine Trades zu bringen. Kleiner Spoiler, ich hatte in 2018 nicht einen einzigen Verlusttrade und die Vola Explosion im Februar hat mich nicht im Geringsten gejuckt.

    Auch teile ich deine Meinung nicht zum Rollen von Optionen (in Bezug auf was du im Februarartikel gesagt hattest). Auch das behandle ich in meiner Artikelserie zum Optionshandel. Das Rollen von Optionen macht den Optionshandel berechenbarer, als er eh schon ist.

    Und noch eine Meinung, die ich nicht teile, Chartanalyse, um den Einstiegszeitpunkt zu bestimmen? Kann man machen, aber … nimm lieber so etwas wie Fastgraphs.com oder Aktienfinder.net, um es von der fundamentalen Seite anzupacken. Beide Tools helfen festzustellen, ob ein Wert fair oder gar unterbewertet ist, und ob die restlichen fundamentalen Daten stimmen. Passt das alles, dann kann man einsteigen, egal was der Chart sagt. Meine Meinung.

    Dein von dir zitierter Jens Rabe hat dazu übrigens die Woche erst ein Video gemacht und argumentiert ähnlich.

    Ansonsten mach weiter so. Läuft ja insgesamt sehr gut für dich und wenn ich auf dein Alter schauen, dann kannst du gar nicht anders, als erfolgreich zu werden damit, wenn du es durchziehst. Großartig!

    CU Ingo.

    1. Hi Ingo,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar!

      Hehe bzgl. Optionshandel bist du mir weit voraus, da habe ich inbesondere zu Anfang 2018 ordentlich Federn lassen müssen. Gerne lass ich mich auch von deinem Ansatz inspirieren in Zukunft (bei den Aktien kamen auch paar Ideen von deiner Richtung :D) und versuche mich auch an dem Ziel meine Verlusttrades zu begrenzen.

      Naja, gerollt wird sicherlich auch noch. Bin aber einfach noch unsicher, wann einbuchen, wann rollen. Hier ist sicherlich noch Verbesserungsbedarf. Generell bleibe ich aber bei meiner Meinung, dass man einfach Underlyings handeln sollte, die man sich auch gerne einbuchen lasst.

      Die technische Analyse folgt immer der fundamentalen Analyse, auch hinsichtlich der Bewertung. Nutze hier die Kennzahlen aus dem Aktienfinder + eine kurze und grobe DDM-Analyse. Einen ersten Einstieg kann man sicherlich dann fundmental begründen. In einen sehr klaren Abwärtstrend warte ich dann aber lieber auf Trendumkehr bzw. einer weiteren Kurserleichterung um die 2. Tranche nachzuschießen. Schrittweiser Einstieg mit einem kombinierten Ansatz finde ich persönlich zur Zeit am ansprechendsten.

      Gruß,
      Emanuel

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