Blick in die Zukunft

Blick in die Zukunft – doch nicht so leicht?

Daniel Kahneman beschreibt in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ eine, in meinen Augen, der wichtigsten Regeln für den Erfolg an der Börse:

„Im Rückblick ergibt alles einen Sinn, eine Tatsache, die Finanzexperten jeden Abend ausnutzen, wenn sie überzeugende Erklärungen für die Ereignisse des Tages liefern. Und wir können nicht die mächtige Intuition unterdrücken, dass das, was heute im Rückblick einen Sinn zu ergeben scheint, gestern vorhersagbar war. Die Illusion, wir verstünden die Vergangenheit, fördert die Überschätzung unserer Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen.“

Überall sprießen die selbsternannten Crash-Propheten aus dem Boden und nähren die Angst der Anleger vor dem nächsten Ruin und dem damit verbundenen dicken Minus auf dem Depot. Auf der anderen Seite spornen Finanzindustrie und –medien tagtäglich für den großen Traum vom Mega-Jackpot an – die riesigen Gewinne warten doch nur noch auf uns!

Aus der Vergangenheit zu lernen ist definitiv möglich und man sollte dies auch so oft wie möglich nutzen. Sicherlich gibt das aktuelle Stimmungsbild eine gewisse kurzfristige Sicherheit. Aber anhand der Vergangenheit bzw. der gegenwärtigen Geschehnisse gleich zu schlussfolgern, wie die Zukunft bzw. wie das nächste Jahr aussieht, entspricht definitiv nicht meiner Vorstellung! Hierbei spielen die Faktoren Glück und Zufall eine zu große Rolle.

Meine eigene Erfahrung

Was nehme ich aber aufgrund dieser Kenntnis für meine Investments an der Börse mit? Ich habe im Januar 2016 meine ersten ETFs gekauft. Wer sich erinnert, weiß, dass ich damals gleich das Jahrestief und einer der schlechtesten Jahresstarts überhaupt erwischt hatte. China hat für schlechte Stimmung am Weltmarkt gesorgt.

Ich weiß noch, dass ich mich sogar geärgert hatte, nicht eine Woche früher rein gegangen zu sein, womit ich dann einer der absoluten Tiefststände mitnehme hätte können. Hätte, hätte Fahrradkette.

Nichtsdestotrotz zogen die Gewinne in den folgenden Monaten an und ich habe gemerkt, dass das Ganze was ich hier mache wirklich funktioniert! Seit der Wahl von Donald Trump im November 2016 befinden wir uns in einer traumhaften Rallye. Wirkliche Verluste habe ich somit noch nicht realisiert. Folge daraus ist, man wird gieriger, steigert seine finanziellen Ziele und geht letztendlich ein höheres Risiko ein.

Am 21.03.2017 wackelt es ein bisschen an allen Märkten. Der S&P 500 macht einen Verlust von ca. 1,5%. Leider hatte ich einen Tag zuvor eine Put-Option auf den SPY, einem ETF auf den S&P 500, verkauft. Zum Glück habe ich noch einen tieferliegenden Put gekauft, um einen Vertical Spread zu haben. Ich hatte meinen Strike in meinen Augen (!) recht konservativ gewählt. Nach dem Einsturz war ich aber dennoch knapp im Geld (Kurs < Strike). Die möglichen Verluste waren aufgrund des Spreads begrenzt, was mich etwas beruhigt hatte.

Da der Optionshandel eine deutlich höhere Aufmerksamkeit und aktives Handel, im Gegensatz zu meinen bisherigen Buy & Hold – Erfahrungen, erfordert, war ich das erste Mal mit der „Was tue ich nun?“ – Situation begegnet.

Am einfachsten ist dieser Zustand zu lösen, wenn man sich vor dem Eingehen des Trades hier genaue Gedanken. Eine klare Strategie, die man als Trumpfkarte hervorholen kann, und die man einfach nur Schritt für Schritt abarbeiten muss. Der maximale Verlust sollte bekannt sein und so klein wie möglich sein. Des Weiteren kommt beim Optionshandel noch eine besondere Betrachtung der Margin zu, wenn man auf diese handelt. Man will schließlich nicht in die Bedrängnis kommen, dass man Geld nachschießen muss oder der Broker unfreiwillig Positionen liquidiert.

Ich für meinen Teil möchte für meine Investments in Zukunft eine Checkliste, die alle meine Kriterien enthält, erstellen und diese für jeden Trade durchgehen und schriftlich festhalten. Insbesondere wird hierbei die psychologische Komponente spannend, um festzustellen, ob nun Gier oder Angst vorherrscht, man sich selbst eventuell überschätzt, oder ob wirklich eine klare, rationale Entscheidung getroffen wird. Außerdem dokumentiere ich auch heute schon meine Aktionen und deren Ergebnis – egal ob positiv oder negativ – alle schriftlich, um für folgende Invests auf diese Erfahrungen zurückgreifen zu können. Jede Erfahrung, insbesondere die negativen, erweitert unser Wissen und lässt uns in der Zukunft weiser handeln!

Ich will hier keinen übertriebenen Pessimismus oder Optimismus ausstrahlen, denn dann würde ich mit vielen „Experten“ gleichziehen. Eine gesunde Skepsis verbunden mit der richtigen Schärfe an Risiko und einer klaren Strategie, sehe ich persönlich als die richtige Mixtur an. Dass es gerade am Anfang auch mal daneben gehen kann, ist völlig normal, und musste ich nun auch schon das eine oder andere Mal schlucken.

Da aber eine optimistische Grundeinstellung sicherlich nicht schadet, wünsche ich euch in diesem Sinne viel Erfolg und riesige Gewinne am Markt!

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