Empfehlung Aktien

Schau bei den anderen ab, ohne dein Hirn auszuschalten!

Es ist ein gemütlicher und geselliger Abend in der Stammkneipe Anfang 2000. Die Jahrtausendwende war überwunden, der Rausch von der feuchtfröhlichen Silvesternacht abgeklungen.

Der Stammtisch ist gut gefüllt. Jeder ist mit seinem Feierabendbier bestückt und redet über Gott und die Welt.

Plötzlich kommen sie ins Gespräch über die neue Gelddruckmaschine: Die Telekomaktie.

„Schaut euch nur den gigantischen Anstieg an, die die T-Aktie hingelegt hat! Mein Bankberater hat gesagt, dass ich damit mein Geld einfach so verdoppeln kann. Ohne etwas dafür tun zu müssen! Geil, oder?“, verkündete einer der Kneipenjungs.

Ein anderer spricht: „Phänomenales Zeugs! Ich bin schon vor paar Wochen, wo der Kurs noch weiter unten lag, rein und bin ordentlich im Plus. Überall hört man doch, dass das Internet alles verändert! Und schließlich waren doch die mal Teil der Bundespost. Staatlich, und so. Versteht ihr? Ohne die geht doch gar nichts mehr bei uns! Ich überlege gerade, ob ich nicht meine Lebensversicherungen auch noch reinbuttern soll.“

Es wurde noch tief in die Nacht gefachsimpelt, wie einfach die Börse doch sei und welche Träume man sich durch die Gewinne erfüllen könnte: Der fette Sportwagen reihte sich dabei neben dem luxuriösen Eigenheim ein. Einer wollte sogar schon 20 Jahre früher in den wohlverdienten Ruhestand übergehen.

Am 06. März 2000 erreichte das Papier der Deutschen Telekom ihren Höchststand von umgerechnet 103,50 €.

Ein Jahr später steht sie bei etwas über 28,00 €.

Sie fällt Monate später auch noch unter die 10 € – Marke.

Die Internetblase ist geplatzt. Der neue Markt zusammengekracht.

Soll ich überhaupt auf andere hören?

Ich hatte meinen ersten Schultag am 11. September 2001 (das Datum ist bekannt genug, dass selbst ich mir es leider merken kann). Aufgeregt mit hoffentlich voller Schultüte in den Händen ging es für mich in einen neuen Lebensabschnitt.

Die Telekom-Aktie hat mich damals noch nicht wirklich gejuckt. Geschweige denn, dass ich das Ganze nur im Ansatz verstanden hätte.

Wenn ich mir so die Artikel zu Zeiten der Dotcom-Bubble durchlese oder die Stimmen und Erfahrungsberichte von Eltern, Verwandten und Bekannten aus dieser Zeit anhöre, dann klingt es für mich verständlich, dass man lieber auf den Rat von jeden verzichten kann bzw. Aktien am besten gar nicht mehr anrührt.

Ich will dir heute gar nicht Argumente für die Investition in Aktien liefern. Darüber haben viele Blogger, Podcaster und Youtuber viele Argumente geliefert.

Ich will eher auf den anderen Punkt eingehen: Soll ich denn überhaupt noch auf andere Leute hören, wenn ich Aktien kaufe?

Bestimme die Seriosität der Quelle

Wen ich soll ich den überhaupt meinen Glauben schenken? Und wer betrügt mich nicht bzw. wirtschaftet in seine eigene Tasche?

1. Halte dich von den Chart-Orakeln fern!

„Die Aktie lief in den letzten Jahren perfekt! Über 20% jährlich – garantiert! Sieh dir doch den Kursverlauf an. Das ist sicherlich der Gewinner in diesem Jahr!“, so spricht gerne mal der übermotivierte Bankberater oder die Aktien-Experten-Zeitschrift über die beworbenen Produkte. Wenn es so einfach wäre, dann wären alle Millionäre oder Milliardäre. Da wir es (noch) nicht sind, war die Aktie oder der Fond doch nicht so der Hit.

Ich bin durchaus Freund der Chartanalyse. Im kurzfristigeren Handel, wie beispielsweise dem Optionshandel, können Unterstützungslinien, Widerstände oder Trends uns Orientierung geben, wie wir handeln sollen. Aber nur nach der Performance der letzten Jahre davon auszugehen, dass es so einfach weiter geht, ist leichtsinnig und dumm.

Wenn wir wie eine Wahrsagerin in unsere glitzernde Glaskugel schauen könnten was die Zukunft uns so bringt, müssten deutlich mehr Leute für viele, viele Jahre eine top Performance hinlegen.

2. Ist deine Quelle unabhängig oder ist sie fremdgesteuert?

Schaue dir das Geschäftsmodell deiner Quelle genau an. Verdient sie mit einer Empfehlung an dich Geld? Wenn ja, wie kann sie dann überhaupt hinsichtlich deiner eigenen Interessen und Bedürfnisse das beste rausholen? Selten ist die beste Empfehlung (da wo es am meisten Geld gibt) deines Bankberaters oder der Aktien-Zeitschrift auch die, die dir den maximalen Gewinn beschert. Betrachte deshalb deren Tipp immer mit genug Skepsis. Schließlich willst nicht nur du reich werden, sondern er auch.

3. Investiert dein Gegenüber selber in den empfohlenen Wert?

„Die Aktie ist sooo gut, die musst du dir unbedingt holen!“, sagt dein Kumpel beim letzten Treffen. „Wie viele Anteile hast du dir dann schon geholt, wenn der Laden so toll ist?“, konterst du. „Ääähhh… ja ich hab grad nicht so viel aufm Konto. Habe es aber fest vor!“, versichert er daraufhin.

Ab diesem Moment würde ich mir an deiner Stelle das Investment ernsthaft überlegen. Dein Banker arbeitet ja auch noch immer tagein tagaus, trotz dem extrem renditestarken, phänomenalen Fond?!

4. Kann der Andere seinen Rat begründen? Oder handelt er nur emotional?

Nur weil Daimler schöne, schnelle und komfortable Limousinen baut, heißt das noch lange nicht, dass auch das Investment in die Firma abgeht.

Du musst keinen Finanzkennzahlen-Fetisch haben und den ganzen Tag Bilanzen kritisch begutachten. Dennoch müssen die Zahlen passen. Das Geschäftsmodell muss auch in der Zukunft Bestand haben und wachsen. Eine Dividende wäre doch auch nicht übel, oder? Hat der Laden ernsthafte Probleme oder befinden wir uns nur in einer Korrektur, um günstig einsteigen zu können?

Wer seine Empfehlung nicht verständlich und nachvollziehbar begründen kann, hat bei mir schon alle Karten verspielt.

Treffe deine Entscheidung selbstständig mit Verstand und Bauchgefühl

Die Empfehlung kommt von jemanden der unabhängig ist, der sie auch begründen kann. Der Empfehler hat selbst darin investiert und gehört nicht der Gruppe der Chart-Orakeln an.

Dann füll die Order aus!

Stop.

Immer nur anderen Leuten nachzulaufen wird dich wahrscheinlich nicht zu deinem eigenen Ziel führen!

Du bist für deine Entscheidungen selbst verantwortlich!

Du musst deine Entscheidung selbst treffen. Und du musst auch selbst die Verantwortung für diese Entscheidung tragen.

Mit allen Folgen. Gewinne, wie auch Verluste.

Nicht der böse Banker oder der Kneipen-Kumpel ist Schuld, wenn’s bergab geht. Sondern du alleine. Denn es war schließlich auch deine Entscheidung die Aktie zu kaufen.

Bei Gewinnen stellt sich ja die Schuldfrage ja sowieso nicht. Obwohl wir blind jemanden nachmachen, sind natürlich immer wir selbst die Helden.

Überprüfe deine Quelle

Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.

Überprüfe die Berechnungen der jeweiligen Kennzahlen selbst mithilfe des letzten Geschäftsberichts. Auch beim größten Börsenexperten können Fehler vorkommen.

Verstehe – oder lass es bleiben

Wenn du die Aktienanalyse oder Begründung nicht 100% verstehst, dann lass es lieber.

Viele Geschäftsmodelle sind total einfach zu verstehen, da sie täglicher Bestandteil unseres Lebens sind. Beispielsweise kennt so gut wie jeder die Produkte von Coca Cola oder Apple. Deswegen mag ich auch so gerne Firmen, die mir täglich vor die Augen laufen bzw. mit denen ich täglich zu tun habe.

Wie sieht es aber mit Geschäftsmodellen von Rückversicherern, Banken oder Unternehmensberatungen aus? Kennst und verstehst du da alle Chancen und Risiken?

Wenn du dir nicht ganz sicher bist, dass du verstehst, was die Firmen machen, dann informiere dich intensiver oder bleib von der Ordermaske entfernt!

Des selbe Spielchen gilt auch bei neuartigen Geldanlage-Produkte. Wenn du Kryptowährungen oder auch den Optionshandel nicht kapierst, dann bist du (noch) nicht soweit, dass du loslegen kannst.

Du benötigst aber auch nicht das voll umfassende Verständnis, sondern eine gesunde Basis. Irgendwann muss man dann auch ins Handeln kommen. Nur rum sitzen und konsumieren, bringt dich auch nicht weiter!

Höre auch auf dein Bauchgefühl

Rainer Zitelmann geht in seinem Buch „Psychologie der Superreichen: Das verborgene Wissen der Vermögenselite“ stark auf die Frage nach dem Bauchgefühl bei schwierigen Entscheidungen ein. Hierzu hat er sehr erfolgreiche Unternehmer interviewt, die natürlich tagtäglich mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert sind. Das Bauchgefühl schätzen die Mehrheit als sehr wichtig ein. Mit höheren Erfahrungsschatz soll es auch immer besser und genauer werden. Manche der Interviewten verlassen sich sogar zu 100% darauf!

Wenn du ein ungutes Gefühl hast vor einem Kauf, trotz seriöser Quelle und guter Faktenlage, dann überlege lieber eine Minute länger. Höre auch auf dein Bauchgefühl und ignoriere es nicht!

Lasse dich von anderen Leuten inspirieren

Ich sehe die vielfältige Auswahl von Blogs, Podcasts, Videos oder Communities als eine einzigartige Möglichkeit neue Ideen zu kreieren oder auf etwas aufmerksam gemacht zu werden.

Oftmals reicht schon ein kurzer Blick in die jeweiligen Facebook-Gruppen, um den Grund für den Absturz einer Aktienposition zu erfahren. Auch findet man neue Gedanken oder neue Aspekte während der Aktienanalyse. Oder ein interessanter Wert, den man ohne einen Tipp so nie entdeckt hätte.

Nutze auf alle Fälle das Potential dieser unendlichen Möglichkeiten, die uns die Online-Welt geschenkt hat, und binde sie in deine eigene Entscheidungsfindung mit ein!

Im zweiten Teil werde ich meine Lieblingsquellen nennen, die ich regelmäßig nutze. Gerne kannst du mir in den Kommentaren auch deine favorisierten Quellen nennen.

 

2 thoughts to “Schau bei den anderen ab, ohne dein Hirn auszuschalten!”

  1. Gut gelungener Beitrag!

    „Nicht der böse Banker oder der Kneipen-Kumpel ist Schuld, wenn’s bergab geht. Sondern du alleine. Denn es war schließlich auch deine Entscheidung die Aktie zu kaufen.“

    Und genauso ist nicht die Börse daran schuld wenn wir langfristig Verluste machen, sondern nur wir selbst. Die meisten Menschen müssen erstmal begreifen, dass sie es selbst sind, die sich sabotieren.

    mfG Chri

    1. Danke Chri für das Lob!

      Hast du völlig richtig erkannt. Ob wir Schuld daran sind, dass der Kurs runter geht, halte ich noch für bestreitbar. Aber wir alleine müssen die Verantwortung dafür tragen wenn unser Depot nach unten geht, denn schließlich haben wir, und nur wir, die jeweiligen Positionen ins Depot hinzugefügt.

      Gruß,
      Emanuel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.