Einnahmen Februar 2018 – Mieser Monat mit stärksten Verlusten

Bitter, bitter, bitter dieser Februar 2018. Besser kann man das Ergebnis diesen Monat nicht beschreiben. Jeder Optionshändler, der dabei war, wird sich noch lange an den 05.02.2018 erinnern. Einer der stärksten Volatilitätsanstiege an einem Tag überhaupt. Der Dow Jones gab mehr als 1000 Punkte an diesem Tag ab. Auch ich musste meine bisher größten Verluste verkraften in meiner noch jungen Stillhalter-Karriere. -3.750,05 € lautet das Ergebnis für den Februar. Ungefähr 7-8% meines Depots wurden innerhalb weniger Tage geplättet.

Ich hatte an dem besagten Montag, 05.02.2018 noch einen beruflichen Abendtermin, weshalb ich nicht wie normal zuhause meine tägliche Handelsroutine (aktuelle Lage und offene Positionen checken, evtl. irgendwas machen) durchführen konnte. Kurz nach der Eröffnung der Märkte in den USA habe ich mir kurz die Kurse angeschaut: Alles soweit OK. Nach dem Termin bin ich gegen 20 Uhr heim per Bahn. Per Mail erfuhr ich von meinem Broker, dass mein Konto bereits einen ordentlichen Tagesverlust erlitten hatte. Mittels der TWS-App erblickte ich dann zum ersten Mal das Desaster.

Das Gesamtdepot hat sich schon gut über 1000€ verringert. Alle meine offenen Put-Optionen ertranken sinnbildlich bei diesem Anstieg der Volatilität und dem damit einhergehenden Kursrutsch an allen Indizes. Das Display meines Smartphones erstrahlte im knalligen Verlust-Rot!

Nachdem ich wieder zur Fassung gelangt bin und ich etwas die allgemeine Marktlage verstanden hatte, bin ich dazu übergegangen den Großteil meiner Put-Optionen zu schließen. Wie ein Irrer habe ich auf dieses kleine Display gestarrt und nach und nach meine Positionen geschlossen. Der Zug hat mittlerweile Fahrt aufgenommen. Als er am ersten Halt angekommen ist, war ich mit meiner Säuberungsaktion fertig. In dieser Situation war ich echt froh, dass die TWS-App hervorragend funktioniert hat und ich eine ganz klare Strategie hatte, ab wann ich Positionen schließen muss. Wichtig war für mich, dass ich in diesem Moment raus aus dem Markt komme.

Was lief falsch?

Leider habe ich 2-3 Positionen auch gerollt und dabei eine zu hohe Positionsgröße gewählt. Die Idee dahinter war, dass ich die Verluste dadurch bei einer schnellen Korrektur nach oben wieder einfahre. Aber Pustekuchen. Paar Tage später ging es nochmal bergabwärts und ich musste meine gerollten Positionen erneut mit hohen Verlust schließen. In Zukunft werde ich bei eher extremen Gesamtmarktbewegungen lieber Abstand halten vorm Rollen und dabei Verluste reduzieren, als zu schnell wieder an Verluste ausgleichen zu denken.

Ich habe lange für mich überlegt, ob ich diese Situation voraussehen hätte können. Schon paar Tage / Wochen zuvor habe ich meine Margin etwas geringer gehalten (kleiner 50%), da ich bereits ahnte, dass diese heftige Rallye im Januar nicht so weiter gehen konnte. Den genauen Zeitpunkt in Kombination mit diesem doch eher heftigen Vola-Anstieg konnte ich in meinen Augen nicht voraussehen. In meiner täglichen Morgenroutine (angelehnt an Jens Rabe) gab es 1-2 kleiner Indikatoren, die im Nachhinein vielleicht und eventuell irgendetwas in diese Richtung sagen hätten können. Ich persönlich sehe hierbei aber keine Fehler bei mir. Die Launen des Marktes kann man halt nicht immer vorher schon richtig prognostizieren. Wichtiger hingegen ist, wie man darauf reagiert.

Risk- und Moneymanagement sei Dank, dass nicht mehr passiert ist!

An dieser Stelle bin ich größtenteils zufrieden mit mir selbst. Abgesehen mit den richtig misslungenen, gerollten Trades bin ich eiskalt ab -200% aus jeder Position raus. Meine Positionsgrößen hatte ich zuvor richtig gewählt und auch meine Marginauslastung machte zu keinem Zeitpunkt Probleme. Money- und Riskmanagement haben gut funktioniert und die Verluste „in Grenzen“ gehalten. Sicherlich dauert es nun wieder ein paar Monate bis ich wieder in die Gewinnphase komme, aber ich bin definitiv nicht aus dem Rennen!

Ich fand es zum Teil schon krass, dass in der Community der Optionshändler (Facebook Gruppen, Blogger / Kommentar-Schreiber usw.) einige Leute einem Margin Call sehr nahe standen. In meinen Augen hatten da einige Leute richtig viel Glück, dass es nach ein paar Tagen schon wieder eine deutliche Gegenbewegung gab. Paar Tage mehr, paar Prozentpünktchen mehr bei Vola und/oder Verluste und dann hätte es bei einigen Leuten, die auf die Glückskarte gesetzt hatten, sicherlich ganz anders geknallt. Ich konnte zu jedem Zeitpunkt ruhig schlafen, auch wenn ich die Verluste natürlich weh tun.

Kleine Sinnkrise

Diese Situation hat mich etwas den Sinn meines Optionshandels hinterfragen lassen. Ein Buy-and-Hold-Anleger hat in dieser Situation eher Glücksgefühle gespürt um günstig Aktien oder ETFs zu kaufen. Auch ich habe diese Chance genutzt ein paar ETFs nachgekauft. Der Optionshändler auf der anderen Seite musste aktiv werden, er kam unter Druck und musste Verluste auch realisieren. Emotional eine ganze andere Nummer! Des Weiteren war auch der zusätzliche Aufwand nicht zu verachten. Für mich als erfolgsverwöhnter Stillhalter ist dies nun ein etwas anderer Blick auf die Dinge.

Ist die mögliche Mehrrendite es den zusätzlichen Stress bei Drawdowns und den zeitlichen Mehraufwand wert im Vergleich zum puren Langfristinvestor? Meine bisherige Euphorie ist definitiv geschrumpft. Ebenso begebe ich mich nun erneut auf die Suche nach einer Antwort auf diese Frage. Hierbei ist aber wichtig, dass ich nun auf Aufholjagd wieder gehe und langfristig denken. Ein paar schlechte Monate kann es halt einfach geben. Wichtig ist die langfristige Performance auf 1-3 Jahre gerechnet. Das heißt, dass mein primäres Ziel es nun ist, die Verluste wieder auszugleichen! Aufgeben ist bisher keine Option für mich!

 

Einnahmen Februar 2018 Chart

Ausblick auf den März

Wir befinden uns weiterhin in einer noch unklaren Marktsituation. Befinden wir uns einfach nur in einer kurzfristigen Korrektur und der langfristige Bullenmarkt bleibt bestehen? Oder befinden wir uns gerade schon in einer Umkehr in einen Bärenmarkt? Ich bin derzeit vorsichtig positioniert mit geringer Margin (ca. 30%) und niedrigen Positionsgrößen. Die politischen News mit der Ankündigung von Strafzöllen für ausländische Produkte kann ebenfalls die weitere Richtung im März bestimmen. Ich werde nun auch wieder vermehrt in Richtung Buy-and-Hold-Investments und Dividendentitel Ausschau halten und vorsichtiger erstmal mit Optionen agieren.

Optionstrades im Februar

Stock SymbolOpen DateExp DateClosing DateCall / PutBuy / SoldStrike PriceProfit or Loss
Sum-3784,88
DRI04.01.201816.02.201806.02.2018PutSold92,5-127,65
IWM16.01.201802.03.201805.02.2018PutSold151-198,93
FDX19.01.201802.03.201805.02.2018PutSold250-299,20
QQQ24.01.201802.03.201805.02.2018PutSold159-212,67
UTX24.01.201802.03.201805.02.2018PutSold128-196,50
COST25.01.201802.03.201805.02.2018PutSold187,5-256,34
RHT25.01.201802.03.201806.02.2018PutSold121-212,49
MMM25.01.201802.03.201805.02.2018PutSold235-340,44
URI26.01.201809.03.201805.02.2018PutSold162,5-250,68
JPM29.01.201809.03.201805.02.2018PutSold110-152,03
ADP31.01.201809.03.201805.02.2018PutSold118-236,13
ADP05.02.201823.03.201806.02.2018PutSold111-210,87
MMM05.02.201820.04.201808.02.2018PutSold220-445,83
FDX05.02.201816.03.201808.02.2018PutSold240-456,44
RHT07.02.201823.03.201809.02.2018PutSold115-202,70
JPM07.02.201823.03.201808.02.2018PutSold104-169,84
QQQ15.02.201829.03.201823.02.2018PutSold14934,16
ABBV15.02.201823.03.201821.02.2018PutSold10231,75
JPM16.02.201823.03.201827.02.2018PutSold10732,70
NOW20.02.201829.03.201826.02.2018PutSold13842,22
NFLX21.02.201829.03.201826.02.2018PutSold23043,03

Dividenden im Februar

Stock SymbolDividend
Sum34,83 €
T10,12
HCN16,21
SBUX8,50

6 thoughts to “Einnahmen Februar 2018 – Mieser Monat mit stärksten Verlusten”

  1. Ich musste gerade etwas schmunzeln, da ich mir in letzter Zeit überlege in den Optionshandel einzusteigen. Weg von meiner Buy & Hold Strategie. Und Du überlegst Dir genau das Gegenteil. Glaube bleibe erstmal bei meiner Buy & Hold Strategie. Der Hauptgrund ist auch gerade, dass ich auf Reisen bin und mit meinem Chromebook nicht wirklich das TWS in vollem Umfang nutzen kann, nur den WebTrader. Hast Du damit zufälligerweise Erfahrungen gemacht im Optionshandel oder nutzt Du immer die Desktop Version?

    1. Hi,

      naja ich wende mich ja nicht vom Optionshandel ab, sondern stelle mir kritisch immer wieder die Frage, ob das was ich tue, so richtig ist.

      Zum WebTrader kann ich dir nichts sagen, da ich ihn nicht benutze. Ich handle nur mithilfe der Desktop Version und der mobilen Android-App.

      Gruß,
      Emanuel

  2. Boah bei diesem Text gibt es einige Passagen worauf ich eingehen möchte.

    „Den genauen Zeitpunkt in Kombination mit diesem doch eher heftigen Vola-Anstieg konnte ich in meinen Augen nicht voraussehen.“

    So einen Short-Squeeze in den Volaprodukten kannst du auch nicht voraussehen, zumindest nicht wann es soweit sein wird. Generell war klar, dass es früher oder später soweit kommen musste.
    Und ein Kurssturz wird immer in Kombination mit hoher Volatilität auftreten, das liegt in der Natur der Sache.

    „Meine Positionsgrößen hatte ich zuvor richtig gewählt und auch meine Marginauslastung machte zu keinem Zeitpunkt Probleme. “

    Das mit den Positionsgrößen -> Hut ab, alles richtig gemacht. Marginauslastung an sich kann dir bei so einem Ereignis auch keine Probleme bereiten, wenn du nur Short Puts und Covered Calls handelst. Wenn Aktienkurse sinken, sinkt auch die Margin dafür, jedoch auch deine freie Liquidität. Und diese darf intraday nicht auf 0 fallen. Dem lässt sich mit einfachen hinunterrollen aber auch entgegen wirken.

    “ Die Launen des Marktes kann man halt nicht immer vorher schon richtig prognostizieren. Wichtiger hingegen ist, wie man darauf reagiert.“

    Und genau deshalb verkaufe ich Optionen, da ich den Markt nicht prognostizieren möchte und auch nicht kann. Niemand kann das.

    „Ist die mögliche Mehrrendite es den zusätzlichen Stress bei Drawdowns und den zeitlichen Mehraufwand wert im Vergleich zum puren Langfristinvestor? “

    DEFINITIV! Von meiner Seite hat mich gerade dieses Ereignis dazu gebracht, niemals wieder über Buy-and-Hold nach zu denken.

    Das möchte ich dir und auch Minimalist auf den Weg geben.
    Du hast bis jetzt alles richtig gemacht indem du dem Optionshandel gegenüber offen warst und nicht von Beginn an gesagt hast, dass es so gefährlich ist diese Finanzinstrumente zu handhaben.
    Tue dir selbst einen Gefallen und schmeiße jetzt deine Zukunft nicht einfach weg.
    Stattdessen lerne weiter, und frage dich wie du solche Ereignisse in Zukunft besser gegenüberstehen kannst.
    Ich habe nun meinen Weg gefunden und möchte nie wieder anders investieren als durch Optionen. (bis auf kleinere Spielereien am Währungsmarkt und dergleichen)

    Ein Buy-and-Hold Investor wird vermutlich auf den Verlusten einfach sitzen bleiben, auch wenn der Markt weiter und weiter einbricht. Ich habe es schon auf meinem eigenen Blog geschrieben. Es gibt viele Aktien, die nach dem Crash 2008 bis heute noch immer nicht die alten Höchststände wieder erlangt haben. Eine Katastrophe wenn du mich fragst. Durch Optionen können wir weiter rollen, uns die Aktien erst einbuchen lassen, wenn wir wirklich mit dem Preis mehr als zufrieden sind. Gleichzeitig können wir mit weiteren Prämien Einkommen generieren und somit den Durchschnittspreis der eingebuchten Aktien auf ein absolutes Minimum drücken.

    Ich bin 100 Prozent sicher, dass jeder Investor, der Optionen für seine Anlagestrategie nutzt, um sehr viele Jahre früher aus dem Verlust draußen ist, als jeder Buy-and-Hold-Investor, der einfach dabei zu sieht, wie sein Geld wegschmilzt.

    Versteht mich nicht falsch, ich halte Buchverluste nach wie vor nur für Buchverluste. Diese sind aber ernst zu nehmen, wenn sich die Aktie nach 10 Jahren noch immer nicht erholt hat. Mit Optionen kommen wir überall wieder heraus. Behaltet euch das bitte im Hinterkopf.

    Möglicherweise betreibst du den Optionshandel auch für dich auf die falsche Weise.
    Du bist Dividenden-Investor, wieso betreibst du den Handel dann mit den oben genannten Basiswerten aus deiner Liste? Wenn ich diese Basiswerte handeln wollte, würde ich mich auch fürchten und so schnell wie möglich zu machen, und auf dem Verlust sitzen bleiben.
    Den Großteil dieser Basiswerte würde ich mir niemals kaufen wollen, von daher fallen diese alle für mich raus aus meinem persönlichen Optionshandel.

    ich wünsche dir auf deinem weiteren Weg nur das Beste!
    Aber werde dir klar, welche Strategie du verfolgst und perfektioniere sie. 🙂

    mfG Chri

    1. Hi Chri,

      vielen Dank für diesen ausführlichen und ermutigenden Kommentar!
      Der Verlust kratzt natürlich etwas am Ego, weshalb auch der Post oben zum Teil etwas pessimistisch formuliert ist. Vom Aufgeben war aber sicherlich nicht die Rede und habe ich auch im Post paar Sätze später auch betont.

      Dennoch bin ich der Meinung, dass man sich diese Frage stellen sollte bzw. wurde diese durch diese Korrektur im Februar bei mir eben hervorgerufen. Optionshandel bedeutet auch einen gewissen Mehraufwand ggü. klassischen Buy-and-Hold und dadurch erhofft man sich bzw. erwartet auch einen gewissen höheren Return. An dem Februar-Verlust werde ich sicherlich einige Monate zu knabbern habe, bis ich wieder positiv bin.

      Angenommen es wäre nun weiter runter gegangen bzw. es geht wieder weiter unten, dann stimme ich dir voll und ganz zu, dass ein Optionshändler, der seine Positionen dann schließt, fein raus ist. Andererseits widerspricht doch das deinen Ansatz wieder, dass du dir ja die Aktien einbuchen lassen willst und Calls schreibst / Dividenden einnimmst, wenn du schließt, oder? Des Weiteren lasst du dir evtl. Aktien einbuchen, die sich auch nie mehr wieder erholen? Irgendwie ist / war mir dieser Ansatz etwas zu viel Mischmasch zwischen Optionshandel und Buy-and-Hold…

      Ich habe ich mich in den letzten Monaten eher in die Richtung bewegt, dass ich nur Underlyings handle, die in einem klaren Aufwärtstrend sich befinden und einigermaßen liquide sind. Zudem streue ich über verschiedenste Branchen / Sektoren. Evtl. werde ich aber nun auch wieder ab und zu Werte mit reinnehmen, die ich mir auch einbuchen lassen kann. Deine Argumente sind schon nicht so schlecht. 😀

      Gruß,
      Emanuel

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