Zeitaufwand eines Stillhalters

Mein Tag als Optionsverkäufer – Wie er aussieht und warum sich der Zeitaufwand in Grenzen hält

Ganze 24 Stunden besitzt unser Tag! 8,5 Stunden unseres Tages verschlafen wir davon alleine schon. Alle Erwerbstätigen buckeln durchschnittlich 7 Stunden in der Arbeit.

Die Glotze möchte 2 Stunden vom Kuchen abhaben. Und Essen und Trinken bringen neben der einen oder anderen Kalorie zu viel, ebenso 1,5 Stunden jeden Tag mit sich mit. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Viel Zeit bleibt uns also nicht, um sich neben all diesen Dingen des Tages auch noch der Rendite unseres Vermögens zu „versklaven“.

Meine eigene Skepsis gegenüber dem Zeitaufwand eines Optionshändlers

Neben der allgemeinen Verunsicherung eines jeden Anfängers, beim ersten Kontakt mit dem Thema Börse und Optionshandel, stellt sich oft auch die Frage des Zeitaufwands.

Wir wollen schließlich schnell und ohne viel Arbeit reich werden. Richtig?

Mir ging es Anfang dieses Jahres genauso. Chri von easydividend oder Jens Rabe haben bei mir damals die Neugier geweckt für den Optionshandel und insbesondere der Stillhalterstrategie. Die ganzen neuen Begriffe, Vorgehensweisen etc. mussten erstmal verinnerlicht werden.

Filme wie „Daytrader – Der Traum vom schnellen Geld“ (Drei Teile gibt es davon schon!) zeigen Leute, die den ganzen Tag vor vielen Bildschirmen hocken und auf lukrative Gelegenheiten an den Börsen warten. Stunden über Stunden! Und das jeden Tag unter der Woche.

Ich wusste ganz genau, was ich nicht wollte: Wertvolle Stunden meines Lebens mit Aktiencharts verbringen.

Dennoch interessiere ich mich für den Markt und wollte etwas mehr als stures und langweiliges ETF-Investing und Buy-and-Hold. Ich wollte neben langfristigen, meist mehrjährigen Investieren nun zusätzlich in eine mittelfristige (im Monatsbereich) Handelsstrategie. Dafür war ich auch bereit etwas mehr Zeit zu investieren.

Ist die Stillhalterstrategie dafür richtig?

Ja!

 

Ein typischer Tag meines Stillhalter-Lebens

Wie sieht denn nun so ein typischer Tag von einem Stillhalter, einem Optionsverkäufer aus?

Dir wird sicherlich schon dieses Wort „TAG“ aufgefallen sein. Denn du hast richtig gelesen, alle paar Monate mal ins Depot zu schauen und paar Klicks zu tätigen reicht hier leider nicht! Diese Illusion muss ich dir hiermit leider nehmen.

 

#1 Check die Marktlage

Ich bin der Meinung, dass man schon täglich einen kurzen Blick in sein Depot riskieren sollte. Dieser muss aber nicht lange dauern! Erfahrungsgemäß ist der Markt-Check in 5 Minuten erledigt. Ich persönlich mache dies hauptsächlich auf den Weg nach Hause mithilfe der mobilen App der TWS.

Hierbei schaue ich insbesondere auf: Meine aktuell laufenden Optionen.

Ein Blick auf die Tagesgewinne oder –verluste gibt mir die Tagesperformance wieder. Zusätzlich interessiert mich die Gesamtperformance, die ich über die unrealisierten Gewinne oder Verluste ablese.

Wenn starke Gewinne verbucht worden sind, wage ich einen kurzen Abstecher zu meinen aktiven Limit-Orders. Vielleicht passe ich sie etwas an, dass die Gewinne noch nicht so früh realisiert werden. Vielleicht ziehe ich mir aber schon die nächste Trade-Möglichkeit rein, und rechne damit, dass die Gewinne in nächster Zeit mitgenommen werden.

Bei größeren Tagesverlusten schaue ich mir die Performance des Basiswertes (Aktien, Indizes usw.) an, und begutachte, wie weit mein Strike-Preis noch entfernt ist. Ebenso schenke ich dabei auch den entsprechenden News etwas Zeit, um zu entscheiden, ob diese Einfluss auf die Performance hatten. Vielleicht muss ich auch entsprechende Reparaturmaßnahmen einleiten. Hierzu aber später mehr.

 

#2 Scannen und Eingehen von neuen Trademöglichkeiten

Wenn ich noch genug Cash habe oder ich kürzlich Optionen schließen konnte, mache ich mich wieder auf die Suche nach neuen interessanten Trademöglichkeiten. Dies erfordert bei mir in etwa 15-30 Minuten.

Täglich musst du dies sicherlich nicht machen. Empfehlenswert ist einmal wöchentlich ein Auge auf seine Watchlist zu werfen und nach guten Optionen zu scannen.

Die Watchlist sortiere ich dabei nach Volatilität. Dann sehe ich mir zuerst die Werte mit der höchsten Vola an und suche nach attraktiven Optionsprämien. Weckt eine Aktie dabei meine Aufmerksamkeit, checke ich sie auf verschiedene Parameter: Chart, fundamentale Einschätzung (Eigenkapitalquote, Dividendenrendite usw.)  nächster Earnings-Termin… Bei starken Kursbewegungen nach unten oder oben checke ich auch noch die aktuellen News zu der Aktie.

Sind alle meine Kriterien erfüllt, verkaufe ich eine Put-Option auf darauf. Zusätzlich dokumentiere ich diesen neuen Trade in meinen Tradingprotokoll und setze gleich meine Limit-Order bei Erreichen der Hälfte der Optionsprämie auf.

 

#3 Reparieren der misslungenen Trades

Geht mal ein Trade trotzdem in die Hose, dann müssen entsprechenden Reparaturmaßnahmen getroffen werden.

Bei den meisten meiner Trades mache ich erstmal nichts!

Wieso?

Weil ich bewusst davor qualitativ hochwertige Aktien auswähle, die ich im Worst Case auch eine Zeit lang oder auch für immer behalten kann. Das heißt ich lasse mich absichtlich ausüben. Die eingenommene Prämie darf ich behalten und 100 Stück der Aktie wandern ins Depot. Zeitaufwand ist gleich Null! Prima, oder?

Wenn dies aber nicht zu trifft rolle ich einfach meine Option zu einen späteren Zeitpunkt oder / und zu einem niedrigeren / höheren (bei Calls) Strikes. Die Aktion an sich ist in wenigen Minuten erledigt.

Bei mir kommt dabei fast immer das Problem der Psyche mit ins Spiel, wenn es darum geht, Verluste zu realisieren. Hier muss ich mich persönlich noch verbessern, dass ich da deutlich weniger emotional agiere und einen genauen Plan verfolge! Deswegen muss ich hier irgendwas zwischen 5 – 30 Minuten auf mein Zeitkonto verbuchen je schiefgelaufenen Trade.

Solange aber nichts oder nur wenig schiefläuft hält sich auch an dieser Stelle der Aufwand in Grenzen.

 

Fazit

Was kommt denn nun zusammenfassend raus? Wie lange musst du schuften für deine Optionsprämien?

Mit 15 – 30 Minuten täglich kommst du bei guten Marktsituationen locker hin. Je nachdem wie stürmisch es in deinem Depot zugeht, musst du mal mehr oder auch weniger Zeit investieren in deinen Stillhalter-Job.

Was ich hier hingegen komplett außen vor gelassen habe: Deine persönliche Weiterbildung. Es ist in meinen Augen ungemein wichtig, sein Wissen immer und immer wieder zu erweitern, um sein Handeln immer weiter zu verbessern. Und hierbei kann ich ganz klar sagen: Desto mehr, desto besser! Hier ist die Zeit sehr gut investiert.

2 thoughts to “Mein Tag als Optionsverkäufer – Wie er aussieht und warum sich der Zeitaufwand in Grenzen hält”

  1. Die Punkte 1 und 2 fallen bei mir genauso an. Punkt 3 gibt es bei mir nicht, da ich nur Optionen auf Werte schreibe, die ich auch kaufen und mittel- bis langfristig halten würde.

    Aktuell ist mein Kapital außerdem so gering, dass ich nur zwei Positionen gleichzeitig laufen habe. Da die Fälligkeiten derzeit unterschiedlich sind, muss ich zweimal im Monat an die TWS und eine neue Option verkaufen.

    Durch meine Vorgehensweise entgehen mir sicherlich viele Trades. Dafür muss ich mich aber auch weniger um das Depot kümmern und zu den Dividenden habe ich trotzdem einen kleinen Rendite-Boost durch die Prämien.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

    Gruß,
    Marco

    1. Hi Marco,

      ich möchte in Zukunft auch deutlich mehr in deine Richtung kommen. Punkt #3 kommt bei mir derzeit auch nur sehr selten vor. Ist einfach angenehmer und weniger zeitaufwendig, wenn man nicht ständig in sein Depot schauen muss.
      Ich möchte in den nächsten Monaten auch wieder mehr in Dividendenaktien stecken. Das Optionen-Depot ist nun gut gefüllt und die Strategie soll jetzt einfach beweisen, dass sie auch langfristig funktioniert.

      Gruß,
      Emanuel

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