Lessons Learned aus 3 Monaten Optionshandel

Meine Lessons Learned aus 3 Monaten Optionshandel, die jeder Stillhalter kennen sollte

Anfang Februar habe ich meine allererste Option auf Corning (GLW) verkauft. Wahnsinnige 7,00 $ nach Gebühren habe ich nach 8 Tagen verdient!

Glücksgefühle hoch drei!

Ähnliches kannte ich bisher nur von der ersten Ausschüttung meines MSCI World ETFs. Da freut sich doch jeder wenn auch mal das Guthaben auf dem Verrechnungskonto nach oben geht.

Das ist der erste Schritt in Richtung passivem Einkommen. Und das brauchen wir – natürlich in deutlich höherer Menge – für unsere zukünftige finanzielle Unabhängigkeit!

Drei volle Monate habe ich mich im Optionshandel mithilfe der Stillhalterstrategie bewegt und ziehe nun für euch ein Resümee über diese Zeit. Exklusiv bekommt ihr heute Einblick zu meinen Erkenntnissen während dieser Zeit. Welche Fehler ich gemacht habe und was ich daraus gelernt habe. Und ich bin mir sicher, dass auch du das eine oder andere bestätigen oder sogar mitnehmen kannst für deinen Erfolg an der Börse!

Wie alles anfing – vom Buy-and-Hold zur Stillhalterstrategie

Ich erinnere mich noch recht gut, wie ich überhaupt über das Thema Optionshandel und Stillhalterstrategie gestolpert bin. Während meines Weihnachtsurlaubs letzten Jahres bin ich durch das Universum der Finanzblogs mal wieder gereist, anstatt meine Zeit für sinnvollere Aktivitäten zu nutzen. Zufälligerweise habe ich einen allgemeinen Artikel über die Stillhalterstrategie mithilfe von Aktienoptionen gebannt konsumiert. Interesse war sofort da. Skepsis aber auch.

Denn bis dahin war mein Fokus ganz klar auf Buy-and-Hold und Value-Investing.  Ich hatte beim Gedanken an diese „Optionen“ sofort das Klischee eines Daytraders mit seinen acht Bildschirmen im Kopf.

Zum Glück hatte ich weiter recherchiert. Andere Blogs gelesen. Mich mindestens 2-3 Stunden durch die Playlist von Jens Rabe „gequält“. Weiter gelesen und mich mit dem Thema tiefer beschäftigt. Daraufhin auch das Buch „Strategisch investieren mit Aktienoptionen“ von Dr. Peter Putz durchgeackert. Die Grundzüge der Charttechnik waren ebenfalls schnell erlernt.

Die Theorie saß so einigermaßen und ich wollte nun endlich meine erste Option verkaufen! Ein Broker war schnell gefunden. Depot eröffnet. Die Mindesteinlage von 3000€ eingezahlt. Trader Workstation installiert.

Anfang Februar habe ich dann die erste Put-Option verkauft auf Corning (GLW). Vorab fundamental und charttechnisch analysiert um den passenden Strike-Preis zu finden. Corning kennen sicherlich viele von den Gorilla Glass Displays in Smartphones. Zudem hat mich Corning fundamental sehr zugesagt und der Kontrakt war nicht so groß, wie bei meinen anderen favorisierten Werten.

Im Optionshandel handelst du immer auf Kontrakte. Kontrakte sind 100 Aktien deines zu handelnden Unternehmens. Wenn deine Option ausgeübt werden würde, musst du 100 Aktien abnehmen. Eine Amazon (zurzeit bei ca. 1000$ pro Aktie) ist daher für einen Anfänger mit einem 3000€-Depot ungeeignet. Eine Aktie von Corning, wie in meinem Beispiel, kostet derzeit um die 29$. Das wären bei 100 Aktien dann 2900$ und somit noch mit unseren Mini-Depot tragbar, wenn die Option wirklich ausgeübt werden sollte.

Aber meine erste verkaufte Put-Option auf Corning lief ohne Probleme und ich konnte sie nach wenigen Tagen bereits wieder mit Gewinn schließen. Daraufhin folgten nun 3 Monate fleißigen Handelns und folgende Erfahrungen habe ich gemacht:

Volatilität ist alles!

Den erheblichen Einfluss der Volatilität auf meinen Optionshandel musste ich sehr schnell lernen. Denn desto mehr eine Aktie nach oben und nach unten schwingt, desto risikoreicher und unruhiger ist dein Trade.

Bei niedriger Volatilität sind die Optionsprämien kleiner. Um dennoch eine akzeptable Rendite zu erzielen, musst du deinen Strikepreis näher an den aktuellen Kurs setzen. Damit hast du deutlich weniger Abstand bzw. Puffer um Rückschläge auszuhalten. Deswegen ist ein Umfeld von niedriger Volatilität immer ein unattraktiver Zeitpunkt zum Einsteigen. Zurzeit lässt sich dies aber auch gar nicht vermeiden.

Insbesondere beim Handel von Indizes, wie zum Beispiel den SPY (S&P 500) oder den IWM (Russel 2000), musste ich schmerzhafte Verluste hinnehmen, da ich bei zu niedriger Vola eingestiegen bin und auf einmal die Vola anstieg und der Kurs nach unten rutschte. Meine laufenden Optionen kamen dadurch zu stark in Bedrängnis und ich schloss sie mit Verlust. Bei Indizes ist die Volatilität generell niedriger als bei den meisten Einzelaktien. Da ein Index immer weniger im Kurs schwankt als ein einzelner Wert, welcher zum Beispiel durch News oder Quartalsergebnisse erheblich beeinflusst werden kann.

Ich handle deshalb auch gerne Unternehmen, die etwas volatiler, aber dennoch hochwertig sind. Als Beispiele kann ich hier bei der derzeitigen Marktlage eine Nvidia (NVDA), Netflix (NFLX) oder Western Digital (WDC) nennen, welche ich immer wieder gerne handle.

Die Volatilität spielt auch eine sehr wichtige Rolle bei Earnings-Trades. Hierbei macht man Optionsgeschäfte sehr nahe zu den Terminen der Veröffentlichung von Quartalsberichten. Aufgrund der Unsicherheit über die möglichen Quartalszahlen und dem Ausblick des Unternehmens steigt die Volatilität kurz davor erheblich an. Die Optionsprämien steigen ebenfalls entsprechend an.

Nach Bekanntgabe der Zahlen kannst du den sogenannten Volacrash erleben. Die Unsicherheit der Anleger ist komplett weg und damit auch die Volatilität. Je nachdem wie die neuen Zahlen ankommen bei den Marktteilnehmer, erlebt der Kurs der Aktie einen erheblichen Sprung nach oben oder unten. Damit steigt oder sinkt unser Optionswert. Abhängig davon ob wir auf steigende Kurse oder auf fallende Kurse gewettet haben. Dies ermöglicht sehr hohe Gewinne in möglichst kurzer Zeit.

Aber auch das Risiko ist deutlich höher, mit erheblichen Verluste abgestraft zu werden! Dies ist auch der Grund, wieso ich mich derzeit von den Earnings-Trades noch fernhalte.

Beachte die Earnings-Termine

Schlag auf Schlag folgt der zweite Punkt, der mich schon ein paar Mal geärgert hat. Nämlich die Earnings-Termine.

Mir ist dies bei paar Trades passiert, die ihr Auslaufdatum bereits in der neuen Quartalsberichtsaison hatten. Schön brav das Datum bei Earnings Whispers vor Eröffnung des Trades kontrolliert, aber nicht aufgepasst ob der Termin bereits bestätigt worden ist. Dies seht ihr an dem Haken neben dem Datum:

Earnings Whispers bestätigt Earning Whispers unbestätigt

Dadurch habe ich nach dem geschätzten Termin gehandelt. Die offizielle Bestätigung des Unternehmens ist dann Wochen später veröffentlicht worden. Natürlich hat sich der offizielle Termin ein paar Tage früher angekündigt. Meine verkaufte Put-Option war damit direkt unter den Earnings. Dies ist mir gleich mit drei unterschiedlichen Trades passiert. Ärgerlich…

Glücklicherweise konnte ich die entsprechenden Optionen rechtzeitig mit Gewinn schließen und ging dem Risiko eines Absturzes des Kurses aufgrund der neuen Zahlen aus dem Weg.

Ich persönlich versuche nun mindestens eine Woche vor dem geschätzten Earnings mein Verfallsdatum auszuwählen um etwas Puffer zu haben.

Indizes hingegen haben den enormen Vorteil, dass sie keine Earnings haben. Somit könnt ihr die zu jedem Zeitpunkt handeln ohne auf irgendwelche Termine zu achten.

Passt auch darauf auf, dass ihr nicht direkt einen Tag nach der Bekanntgabe des Quartalsberichts einsteigt. Meinen zweiten Trade überhaupt habe ich direkt einen Tag nach den Earnings gemacht. Die Zahlen sind gut ausgefallen und waren leicht über den Erwartungen. Der Kurs sprang daher 3-4% in die Höhe. Ich bin sozusagen in der Spitze rein und erwartete weiter steigende Kurse. Leider nahmen die Marktteilnehmer fleißig Gewinne mit und der Kurs brach wieder um 3-4% ein. Natürlich hatte ich meinen Strike-Preis klug gewählt und es wurde nicht kritisch. Dennoch kam meine Option unter Druck.

Solche kurzzeitigen Spitzen im Chart aufgrund von Earnings oder News solltest du immer genauer analysieren und lieber ein paar Tage abwarten.

Gewinne und Verluste realisieren

Gewinne oder Verluste realisieren? Als Buy-and-Hold Investor würde ich sagen – nein danke! Beim Optionshandel sieht das aber komplett anders aus.

Meine Aktienoptionen laufen immer ungefähr einen Monat. Danach laufen sie aus oder sie werden vorzeitig geschlossen. Ich persönlich schließe meine Put-Optionen bei Erlangen von ca. 50% der Prämie vorzeitig. Dadurch bin ich nun in dutzenden Fällen mit der Realisierung von Gewinnen in Berührung gekommen. Und auch zwei schmerzhaftere Verlusttrades musste ich leider in meiner noch jungen Stillhalterkarriere bereits verbuchen. Dies ist glaube ich vor allem psychologisch eine andere Nummer.

Bis dahin hatte ich noch nie einen meiner Einzelaktien oder ETFs verkauft. Kleinere Dividendenzahlungen waren die einzigen Kontobewegungen neben kaufen, kaufen, kaufen. Wieso auch? Die Investmentstrategie war ganz klar definiert, nämlich Halten und von langfristigen Kurssteigerungen profitieren.

Chartanalyse funktioniert

Ich konnte selbst kaum glauben, als ich das erste Mal das Wirken von Unterstützungslinien und Widerstände live beobachten konnte. Bis dahin war Charttechnik Hokuspokus für mich. Alles nur Augenwischerei!

Nur die Bewertung von Unternehmenskennzahlen mithilfe der Fundamentalanalyse fand Akzeptanz. Diese Diskussion spaltet immer mal wieder die Gemüter. Ein richtiger Glaubenskrieg ist zwischen den einzelnen Lagern der Fundamentalaposteln und der Chartpropheten ausgebrochen. Mich langweilt dieser Streit nur noch! Gähn…

Mein eigene Meinung dazu? Beide Werkzeuge haben ihre Berechtigung und sollten benutzt werden. Auch beim kurzfristigen Optionshandel möchte ich mir keine faulen Eier in den Korb legen lassen. Daher wähle ich anhand dem Geschäftsmodell und der Unternehmenskennzahlen meine Kandidaten für die Watchlist aus. Denn wenn ich ausgeübt werden sollte, muss ich im Zweifel mit dieser Aktie leben können. Und dies auch langfristig!

Ebenso benötigst ich auch die Chartanalyse um den derzeitigen Trend festzustellen und den richtigen Einstiegszeitpunkt zu wählen. Meist verkaufe ich meine Put-Optionen beim Strike nahe der ersten Standardabweichung (Delta = 0,2) im Chart.

Fazit

Meine ersten Erfahrungen im Optionshandel waren sehr positiv! Die ersten Gewinne bestätigen mir diese Aussage auch.

Durch den aktiven Handel mit Aktienoptionen habe ich im Verständnis und Erfahrung an der Börse nochmal eine Schippe drauf gelegt. Täglich lerne ich neue Sachen hinzu!

Ich bin schon gespannt, ob sich in den nächsten Monaten meine Meinung hier noch ändern wird. Eine deutliche Korrekturphase habe ich noch gar nicht mitgemacht. Wenn diese kommt, dann wird es spannend, ob ich rational mein System weiter verfolgen kann. Oder ob mich meine Gefühle aus Angst und Gier übermannen.

6 thoughts to “Meine Lessons Learned aus 3 Monaten Optionshandel, die jeder Stillhalter kennen sollte”

  1. Hallo Emanuel,

    schön geschrieben 👍

    Deine Geschichte/Erfahrung deckt sich haargenau mit meiner, schon Wahnsinn😉
    ….sogar zeitlich, vom gewollten Buy and Hold + Dividenden, Fundamental und jetzt mach ich auch noch nen Ausflug in die Charttechnik. Ist nicht verkehrt da auch etwas Einblick zu haben.

    Aktiv hab ich im Mai mit Optionen angefangen, welcher für mich persönlich sehr erfolgreich war👍

    Die Strategie aus Value/Buy and Hold, Dividenden und Optionen zu vereinen find ich für mich perfekt. Fühle mich hier sehr wohl dabei. Genau das hab ich gesucht. Würde nicht nur eine Richtung fahren wollen.

    Dir weiterhin viel Glück und Erfolg,
    werde öfters mal vorbeischauen.

    Gruß Chris

    1. Hi Chris,

      kann dir da 100% zustimmen. Die Kombination aus verschiedenen Anlagetypen macht das ganze System unglaublich flexibel! Wenn das Marktumfeld zu volatil werden sollte, dann kann man sich im Optionshandel auf andere Strategien stützen oder man bleibt einfach raus mit Optionen und macht sturr Buy-and-Hold + Dividenden. Alle Strategien haben ihre Stärken und Schwächen. Die Kombination aus allen gefällt mir daher sehr gut!

      Der Mai war für mich auch mit Abstand mein stärkster Monat. Die Märkte haben natürlich auch gut mitgemacht. Dir auch viel Erfolg mit deinen Investments!

      Gruß,
      Emanuel

  2. Sehr schön! Wir lernen alle jeden Tag hinzu. Das ist es was uns im langfristigen Vergleich besser da stehen lässt als jeder der „nur“ komplett passiv an den Märkten ist.

    Ist nicht böse gemeint, aber ich glaube, dass jeder Optionshändler mehr Marktverständnis für die Börse hat als ein passiver Anleger.

    Und dass du aus dem Buy-and-Hold kommst zeigt auch, dass du deine Ängste und die Skepsis überwunden hast. Viele denken bei Optionshandel an nichts als Zockerei. Dies ist reine Ignoranz meiner Meinung nach.

    Ich freue mich, dass du dabei bist!
    Den Community-Beitrag hab ich bereits angepasst

    mfG Chri

    1. Hey Chri,

      der Handel mit Optionen war für mich nun das nächste Level – so wie in einem Spiel. Ganz unten fängt man mit langweiligen, renditeschwachen Anlageprodukte der Hausbank an, wie z.B. Festgeld, Bausparvertrag usw.. Dann folgt irgendwann das erste eigene Depot und startet, wie bei mir, z.B. mit ETFs. Manche machen noch den Umweg über aktiv gemanagte Fonds etc. Dann folgt das aktivere Auseinandersetzen mit Unternehmen in Form der Fundamentalanalyse & Lesen von Geschäftsberichten. Die erste Einzelaktie wird gekauft. Vielleicht folgen daraufhin noch Abzweige in Richtung spezieller Investments ala Dividendenwerte.

      Der Optionshandel ist dann nochmal eine Stufe „härter“, da man nun aktiver Handeln muss. Zudem kommt noch Charttechnik, neue Begrifflichkeiten usw. hinzu. Zudem spielt die Psyche eine deutlich größere Rolle nun, da man auch mal Gewinne realisiert oder auch mal einen Schlag ins Gesicht abkriegt.

      Das Zocker-Image bekommt das Ganze in meinen Augen aufgrund zweier Punkte: es ist aktiv (man muss deutlich öfters ins Depot) + man kann short gehen. Auch die (öffentlichen) Kritiken an Leerverkäufe schießen halt oft in Richtung Termingeschäfte, wie Optionshandel. Es kommt immer darauf an, wie man dieses Mittel nutzt. Zocken kann man auch mit normalen Einzelinvestments.

      Danke für deinen Kommentar + die Anpassung des Community-Beitrags.

      Gruß,
      Emanuel

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