Schritt für Schritt an die Stillhalterstrategie herangeführt

Meine Stillhalterstrategie – Schritt für Schritt erklärt

Im Folgenden möchte ich euch Schritt für Schritt an meine Vorgehensweise in Bezug auf den Optionshandel führen, welche sich primär an der Stillhalterstrategie orientiert. Das heißt ich verkaufe hauptsächlich Puts auf Aktienoptionen. Ziel ist es, die damit verbundene Prämie einzustreichen und einen stetigen Geldfluss zu generieren.

 

1.   Interessante Basiswerte finden

Am Anfang steht bei mir immer die Auswahl des richtigen Basiswertes (= Underlying). Ich empfehle euch eine entsprechende Watchlist mit den interessantesten Werten aufzubauen und immer wieder auf diese Werte Puts verkaufen.

Je nach Kontengröße fallen wahrscheinlich schon einige höherpreisigen Werte raus, da im Optionshandel immer Kontrakte gehandelt werden, die jeweils immer 100 Stück des Basiswertes enthalten. Wenn ich nun zum Beispiel eine Alphabet (GOOGL) handeln will, müsste ich bei dem derzeitigen Kurs über 80.000$ (800$ * 100) auf dem Konto haben, um einen gedeckten Put darauf zu verkaufen.

Des Weiteren kann sich natürlich der Markt auch mal gegen uns richten und wir werden entweder ausgeübt (100 Stück der jeweiligen Aktie werden uns ins Depot eingebucht), wir müssen rollen oder Verluste realisieren. Um ein mögliches „ausgeübt werden“ so angenehm wie möglich zu gestalten, ist es mir persönlich sehr, sehr wichtig, fundamental gut aufgestellte Unternehmen zu handeln. Denn im Worst Case muss ich vielleicht mehrere Jahre die Verluste aussitzen.

Über längere Zeit habe ich verschiedenste börsennotierte Unternehmen für mich selber bewertet und bewerte regelmäßig immer wieder neue Firmen. Folgende Kriterien sind hierbei für mich persönlich wichtig:

Funktionierendes und verständliches Geschäftsmodell

Wie verdient das Unternehmen ihr Geld? Ist das Geschäftsmodell nachhaltig und kann man damit auch noch in 10 Jahren Umsätze und Gewinne erzielen? Ist noch Luft zum Wachsen da? Besitzt das Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal, einen sogenannten Burggraben (bestes Produkt, starke Marke, Patente usw.) gegenüber seiner Konkurrenz?

Dies sind im Groben und Ganzen die elementaren Fragen, die ich für mich selber beantworten muss. Die Antworten hierfür finde ich größtenteils in den aktuellen Geschäftsberichten. Auch kann man verschiedene Aktienanalysen, zum Beispiel bei Seeking Alpha, zu Hilfe ziehen. Des Weiteren notieren ich mir die wichtigsten Fakten (in meinem Fall mithilfe von OneNote), um auch später wieder darauf zurückgreifen zu können.

Hier ein Ausschnitt aus meiner Bewertung von Corning (GLW). Bitte beachtet, dass dies nur meine eigene, subjektive Meinung wiederspiegelt und keine Kaufempfehlung ist.

Hohe Eigenkapitalquote und geringer Verschuldungsgrad

Gegen Finanzverbindlichkeiten / Kredite ist nichts einzuwenden. Sie dürfen aber in meinen Augen nicht zu hoch sein und damit das Unternehmen knebeln. Bestenfalls sind keine langfristigen Finanzverbindlichkeiten vorhanden bzw. die liquiden Mittel sind größer als die Schulden.

Des Weiteren ist mir eine Eigenkapitalquote von mindestens 30% wichtig.

 

Steigende Gewinne und Umsätze

Unternehmen, die mehrere Jahre hintereinander Verluste gemacht haben, fasse ich nicht an. Hier scheint das Geschäftsmodell nicht zu funktionieren oder es kriselt zu fest in dem Laden. Berücksichtigt muss hierbei aber die aktuelle Marktlage werden. Denn wenn man sich gerade in einer großen Korrekturphase befindet, kann auch ein sehr gutes Unternehmen mal kurzfristig in Schieflage geraten. Deswegen ist auch immer wieder interessant, sich die Zahlen zu Zeiten der Finanzkrise oder dem Zusammenbruch des neuen Marktes anzuschauen.

 

Dividende

Um auch nach der Zuweisung des Basiswertes, wenn der Put ausgeübt wird, regelmäßig Cashflows zu erzeugen, werfe ich auch einen Blick auf die Dividende. Generell sollte die Dividendenrendite für mich schon mindestens 2% oder höher betragen. Zusäztlich ist mir wichtig, dass die Dividende nicht an die Substanz des Unternehmen (ausgeschüttete Dividende > Gewinn -> nein danke!) geht. Sie sollte beständig sein für viele Jahre und bestenfalls steigend. Ein Blick in die Liste der Dividendenaristokraten oder in die Tabellen des Dividenadels ist hierfür eine sehr gute Inspirationsquelle!

 

2.   Interessante Optionen finden

Nachdem wir uns eine nette Watchlist angelegt haben (meine hat ca. 50 Titel zurzeit), geht es an die Suche nach lukrativen Short-Put Optionen. Hierfür ordne ich meine Watchlist, die ich ebenso auch in der TWS abgebildet habe, meist nach der implizierten Volatilität. Denn desto höher diese, desto höher natürlich das Risiko, aber auch die Prämie.

Nun gehe ich nacheinander durch und schaue mir im OptionTrade der TWS die aktuelle Optionskette an. Als Laufzeit wähle ich zumeist alles zwischen 20 – 40 Tage. Die goldene Mitte bei ca. einem Monat (= 30 Tage) ist aber meine persönliche Präferenz.

Der Geldkurs sollte bei mindestens 0.40 liegen, da ich meine Puts immer bei 50% Optionswert schließe / zurück kaufe und somit mindestens 20$ Prämieneinnahmen realisieren möchte. Es macht absolut keinen Sinn Optionen zu schreiben, die mir nur 5$ einbringen, wovon ich dann 7$ Transaktionskosten an meinen Broker abgeben darf. Wenn diese Voraussetzung keine der angebotenen „Out-of-the-money – Puts“ (Strike < aktueller Kurs) erfüllt, wechsle ich zum nächsten Wert. Natürlich kann man diese Grenze nach unten, wie auch nach oben setzen. Dies hängt davon ab, wie groß das Konto ist, das Risiko sein sollte bzw. welche Gewinne ich erzielen möchte.

Chartanalyse und Delta

Wenn interessante Puts angeboten werden, schaue ich mir nun den aktuellen Chart der Aktie an. Insbesondere schaue ich mir Unterstützungslinien an, um dann knapp darunter Put-Optionen zu eröffnen. Des Weiteren begutachte ich den kurzfristigen, wie auch den langfristigen Trend. Wenn der Kurs sich eindeutig nach unten bewegt, und dies auch langfristig, lasse ich lieber die Finger davon oder muss deutlich niedriger meinen Strike wählen.

Anhand der Nike Aktie (NKE) kann sehr gut ein klarer Aufwärtstrend erkannt werden, sowei eine Unterstützung bei ca. 56$. Das heißt, ich würde hier einen Put bei ca. 55,50$ – 55$ verkaufen.

Neben der charttechnischen Analyse, ist auch das Delta von Interesse. Dieses nutze ich hauptsächlich als Risikoindikator. Ein Delta von 0,1 gibt an, dass eine 10% Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Option ausgeübt wird. Meist versuche ich unter einem Delta von 0,4 zu bleiben. Desto niedriger, desto besser!

Achtung Earnings!

Kurz vor den nächsten Quartalsberichten, den sogenannten Earnings, steigt die Volatilität, und damit die Unsicherheit auf dem Markt, zum Teil stark an. Ebenfalls kann es nach den Earnings stark nach oben oder unten gehen, je nachdem wie Ergebnisse und der Ausblick für die nächsten Monate ausfallen. Ich halte mich grundsätzlich von den Terminen der Earnings entfernt. Das heißt, in der Laufzeit der Option sollten nicht die Earnings stattfinden. Dies könnt ihr zuvor beispielsweise bei Earnings Whispers überprüfen.

Außerdem ist es empfehlenswert, nicht kurz nach der Veröffentlichung des aktuellen Quartalsberichts (1-2 Tage) einzusteigen, da es auch hier noch zu Schwankungen im Kurs kommen kann. Bei einer meiner ersten Short Puts (damals ADM) habe ich die Earnings abgewartet. Die Zahlen waren gut und der Kurs der Aktie stieg um 2-3%. Daraufhin bin habe ich einen Put verkauft. Einen Tag später wurden die Gewinne mitgenommen und der Kurs sank wieder um 2%. Wenn ich meinen Put einen Tag später eröffnet hätte, hätte ich locker das Doppelte an Prämie erzielen können.

Viele Optionshändler profitieren aber auch von den Earnings, da die damit verbundene hohe Volatilität auch erheblich größere Prämien mit sich bringt. Ich persönlich habe mich mit den Earnings-Trades aber noch nicht ausreichend genug beschäftigt, um hier von meinen Erfahrungen berichten zu können.

 

3.   Order aufgeben

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, gebe ich die Order auf. Direkt danach, mache ich eine Limit-Order bei 50% des Optionswertes auf mit der Gültigkeitsbeschränkung GTC (good till canceled). GTC gibt an, dass die Order solange gültig ist, bis das Limit ausgeführt werden kann bzw. die Order von einem selbst storniert wird.

 

4.   „Stillhalten“

Nachdem die Order aufgeben wurde, gilt es nun, seine Optionen zu beobachten. Solange der Kurs brav oberhalb des Strikes sich befindet, müssen wir einfach abwarten, bis sich die Option auf 50% Wert reduziert hat und die Limit-Order greift.

Was zu tun ist, wenn der Trade gegen uns läuft, werde ich in einen weiteren Artikel näher beschreiben.

 

6 thoughts to “Meine Stillhalterstrategie – Schritt für Schritt erklärt”

  1. Hallo Emanuel,

    ich verfolge deinen Blog schon etwas länger, bin fasziniert und lerne jeden Tag dazu. Nachdem ich mit ETFs begonnen, dann mit Einzelaktien (Dividendenaristokraten) weitergemacht habe bin ich jetzt auch bei Optionen gelandet. Nachdem ich mich jetzt 2 Monate intensiv damit auseinandergesetzt habe, kämpfe ich gerade mit der TWS. Dazu hätte ich 2 Fragen an dich.
    Kannst du mir mal einen Ausschnitt deiner Spalten senden, die du verwendest?
    Kannst du mir vielleicht auch deine Chart-Einstellungen (Unterstützungslinien, Zeitraum…)nennen? Ich tue mir da aktuell noch sehr schwer.

    Vielen Dank und Gratulation zu deinen Ergebnissen.

    VG Manuel

    1. Hi Manuel,

      coole Sache!
      Ja mit der TWS hatte ich auch am Anfang etwas zu kämpfen. Allzu viel individualisiert habe ich da nicht.
      Ich kann dir nur empfehlen mit einem Papertrading-Account zu starten und einfach vieles live in der TWS auszuproberen. Damit wirst du immer sicherer im Umgang mit ihr.

      Wenn ich es schaffe, melde ich mich die Tage bei dir per Mail und schicke dir paar Screenshots & Tipps. Auf meiner Agenda hier für den Blog steht eh TWS & Charttechnik drauf. Von dem her dürfen sich die anderen darauf sicherlich freuen!

      Gruß,
      Emanuel

      1. Hallo Emanuel,

        super, vielen Dank.

        Bin jetzt bei der TWS auch schon etwas weiter gekommen (Learning by Doing), aber ist halt sehr zeitintensiv ;-). (neben Studium, Vollzeitjob, Frau und 2 Kindern ;-)) – da bleiben nur die Nächte 🙂

        Das Wichtigste ist aber, dass es mir Spaß macht, mich damit auseinanderzusetzen.

        Auf jeden Fall schon vielen Dank.

        VG Manuel

        1. Hi Manuel,

          Mail ist raus 🙂 Ich hoffe ich konnte dir damit etwas Klarheit in dem Umgang mit der TWS bringen.

          Jup, die Einarbeitung ist nicht ganz klein bzw. auch manchmal etwas schwierig. Jeden Tag gibt es etwas neues zu lernen. 😉

          Viel Erfolg!

          Gruß,
          Emanuel

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