Optionssprechstunde #2 - Fehler im Gilead Sciences Trade

Optionssprechstunde #2 – Fehler im Gilead Sciences Trade gemacht

Herzlich willkommen zur zweiten Episode der Optionssprechstunde! Auch diese Mal möchte ich die Chance nutzen, einen eher „misslungenen“ Optionstrade zusammen mit dir zu analysieren. Ich denke, dass man aus den eher schlecht gelaufenen Trades eher lernen kann und dies ist ja schließlich das Motto der Optionssprechstunde: Lernen von echten Trades!

Heute habe ich einen recht frischen Trade mitgebracht, welchen ich schon kurz in meinem Einnahmen-Report vom Oktober erwähnt habe. Es geht um einen Short Put auf Gilead Sciences (GILD).

Gilead handele ich immer wieder gerne. Der Biotech- bzw. Pharmakonzern hat seit ungefähr Mitte 2015 ordentlich gelitten im Kurs. Seit Juli 2017 geht es nun wieder gemächlich nach oben.

Die Volatilität ist immer etwas höher, wodurch gute Prämien als Stillhalter erziehlt werden können.

Verkauft habe ich die Put-Option mit einem Strike von 77$ auf Gilead Sciences am 03.10.2017. Zu diesem Tag befand sich der aktuelle Kurs bei 82,52$. Laufzeit bis zum 10.11.2017.

Die Aktie lief dann die ersten Tage eher langweilig vor sich hin. Dann ging es leicht nach unten. Ich handelte in einen klaren Abwärtstrend hinein:

Optionssprechstunde #2 - Fehler im Gilead Sciences Trade

Fehler #1 – Handle nicht in einen Abwärtstrend hinein!

Dies war sicherlich der eher kleinere Fehler, da zum 03. Oktober noch nicht 100% klar war, ob es nicht doch wieder hinauf geht. Bereits im Juli oder auch August hatten wir bereits eine ähnliche Formation im Chart und es ging weiter nach oben und nach oben.

Aber wieso gehe ich überhaupt in dieses Risiko eines möglichen Abwärtstrends? Gibt es nicht genügend andere lukrative Handelsoptionen?

Zu diesem Zeitpunkt war GILD nicht das beste Papier um darauf eine Put-Option zu verkaufen. Sicherlich hätte es andere Firmen gegeben, die ebenfalls gute Prämien geboten hätte, und die in einem klaren Aufwärtstrend waren.

Ich hatte dieses Risiko in Kauf genommen, da ich die Aktie schon öfters gehandelt habe und gute Ergebnisse damit eingefahren hatte. Außerdem finde ich den Wert durchaus interessant für ein mögliches Investment innerhalb meine Dividendendepots.

Aber als Stillhalter geht es nicht darum, wie toll ein Unternehmen ist oder ob ich die Vision habe, dass die Aktie in paar Jahren durch die Decke gehen wird. Dies kann ich durchaus in meinem langfristigen Depot machen, aber im kurzfristigeren (30-40 Tage) Optionshandel muss ich andere Indikatoren wie beispielsweise den Chart nutzen.

Dennoch folgte noch ein zweiter Fehler, der meinen Trade endgültig das Genick brach: Earnings.

Fehler #2 – Finger weg von den Earnings!

Am 26.10.2017 hat Gilead Sciences seinen 3. Quartalsbericht für 2017 veröffentlicht. Die Erwartungen der Analysten wurden übertroffen. Dennoch ging es auch in diesem Quartal zahlenmäßig nach unten. Die Hepatitis-C-Produkte laufen weiterhin schlecht und schmälerten daher Umsatz und Gewinn von GILD im Vergleich zu 2016 erneut spürbar. Auch der Ausblick in diesem Geschäftsbericht lässt niemanden entzücken.

Hier konnte auch die Euphorie aufgrund der Aquisition von Kite nicht viel entgegen wirken. Kite ist ein sehr spannendes Unternehmen, dass sich im Bereich der Krebstherapien ansiedelt. Wenn alles mit den jeweiligen Produkten klappt, sicherlich ein lukratives Geschäft langfristig.

Der Markt hat aufgrund dieses eher mageren Quartalsberichts den Abwärtstrend weiter verstärkt. Mein Strike wurde daraufhin innerhalb weniger Tage nach den Earnings auch genommen und ich war „in the money“ mit meiner Option.

Oftmals habe ich wenige Tage nach den Earnings eine Pullback-Bewegung beobachtet, die eine mögliche Übertreibung aufgrund der Zahlen wieder normalisiert haben. Diese blieb bei Gilead Sciences aber aus.

Ich werde in Zukunft die Earnings wieder eher meiden, da hier zu viele Überraschungen auf einen warten können. Da ich in den letzten Monaten oftmals auch sehr gut mit den Earnings gefahren bin, war ich hierbei zu unvorsichtig und habe die Earnings akzeptiert.

GILD gerollt

Am 31.10.17 habe ich dann die Reißleine gezogen und bin bei einem Kurs von 74,88$ raus aus der Option. Mein realisierter Verlust betrug 189$.

Lange habe ich mit mir gehadert, ob ich sofort einen neuen Put verkaufen sollte, um vielleicht den Trade etwas reparieren zu können. Bei 72$, wie auch bei 69$ befanden sich charttechnisch die nächsten Böden. Ich habe dann darunter bei 67,5$ einen neue Position eröffnet, die eine Laufzeit bis zum 19.01.18 besitzt.

Mich würde interessieren, was du an meiner Stelle getan hättest? Auch gerollt? Oder lieber die Aktien bei 77$ einbuchen lassen und auf die nächste Kurssteigerung warten?

Optionssprechstunde #2 - Fehler im Gilead Sciences Trade

 

7 thoughts to “Optionssprechstunde #2 – Fehler im Gilead Sciences Trade gemacht”

  1. Habe fast genau den gleichen Trade gehabt. 78er Strike verkauft als der Kurs so bei 82 war, bei earnings gedacht naja Erwartungen übertroffen, das geht sich schon aus die nächsten Tage, dann zu lange gewartet bis ich den Trade endgültig geschlossen habe. Auch die Grundgedanken zum Unternehmen und die Frage obbich mich einfach ausüben lassen soll habe ich gehabt… zu lange hält. Habe auch nicht gerollt sondern puts auf andere Werte verkauft (aus anderen Sektoren, nicht mehr Medizin da hat mir der November ordentlich eins aufs Dach gehauen in dem Sektor)

    1. Hi Dominik,

      was für ein Zufall. 😀
      Ja der Biotech-Sektor hat allgemein in der Zeit etwas geblutet. Mal schauen wie es weiter geht.

      Viel Erfolg weiterhin,

      Emanuel

  2. Vielen Dank für diese Einblicke. M.E. sollte man eine Aktie betrachten ohne dass die eigene Geschichte mit dieser Aktie eine Rolle spielt. Es gelingt mir besser das Geld das ich mit einer Aktie verloren habe mit einer anderen Aktie wieder reinzuholen. Daher hätte ich an deiner Stelle nicht gerollt.

    1. Hi Robert,

      ja die eigenen Emotionen mit einer Aktie sollten beim Handeln keine Rolle spielen.
      Das Rollen profitiert eben davon, dass bei Kursabsturz auch die Vola ansteigt und somit auch die Optionsprämien. An meiner Stelle muss eben die Theorie greifen, dass die beiden Böden im Chart halten. Wir werden sehen was passiert. Stand heute sieht’s jedenfalls nicht ganz schlecht aus.

      Gruß,
      Emanuel

  3. Moin Emanuel,

    meiner Meinung nach wiederholst du durch das Rollen Fehler #1 (Handle nicht in einen Abwärtstrend hinein).
    Ich habe den selben Fehler bei Footlocker gemacht und bin damit auf die Nase gefallen. Wenn eine Aktie klar im Abwärtstrend ist, rolle ich die Position nicht mehr, sondern setze einen anderen Trade auf – was ja im Prinzip auch nichts anderes ist, als zu rollen.

    Viele Grüße
    Götz

    1. Hey Götz,

      wenn die beiden charttechnischen Böden nicht halten, hast du vollkommen recht. In Zukunft möchte ich gar nicht mehr in einen abwärtsgerichteten Trend neu hinein traden. In diesem Fall hat natürlich der Kursabsturz entsprechend die Vola erhöht und mir damit eine akzeptable Prämie unterhalb der Böden ermöglicht. Weshalb ich auch die Neueröffnung eines anderen Trades nicht als Rollen verstehe.

      Ich hoffe ich muss deine Footlocker Erfahrungen in diesem Trade nicht nachmachen. Derzeit sieht es einigermaßen gut aus, dennoch muss ich deinen Kritikpunkt anerkennen. Ich bin auch nur ein Anfänger, der hier von seinen Erfahrungen berichtet. Deswegen bin ich dankbar für deine Bedenken!

      Gruß,
      Emanuel

      1. Beim Thema Optionen bin ich auch Anfänger. Den Fehler in einen Abwärtstrend zu handeln (und weiter zu rollen), habe ich aber gleich im ersten Trade gemacht.
        GILD habe ich mir jetzt nicht genau angesehen, aber wenn das tatsächlich nur ein temporärer Rücksetzer war, macht es natürlich Sinn zu rollen.

        Ich selbst werde mit Optionen wohl langfristig nicht glücklich werden. Dir aber weiterhin viel Erfolg damit!

        Götz

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